Robin Cook: Grünes Gift

Rätselhafte Genreschreiberei: Robin Cooks Invasionsroman „Grünes Gift“

Eine Rezension von Rob Randall

Eine lauschige Sommernacht in einer amerikanische Kleinstadt: Zwei Teenager knutschen heimlich im Auto. Über den Himmel zieht eine Sternschnuppe, denn ein Stein fällt vom Himmel. Plötzlich fallen elektrische Geräte in der Umgebung aus. Auch das Autoradio spielt keine romantische Musik mehr.

Schon an den von Robin Cook mustergültigen eingesetzten Versatzstücken erkennt der Leser ohne Zweifel: „Grünes Gift“ ist ein SF-Invasionsroman, der über weite Strecken den bekannten Mustern und Klischees des Genres aus den 50er Jahren folgt. Und das noch 1997. Soweit so trivial. Aber immerhin heißt der Roman im Original auch klassisch programmatisch: „Invasion“.

Augenscheinlich: billiger Titel und Effekte

Da ist der deutsche Titel eindeutig kreativer: Denn das „Gift“, das der kleine schwarze Stein in den Finger des ersten Opfers injiziert, ist gelb und nicht grün. Auch wird der arme Mann nicht grün im Gesicht – und das trotz der rätselhaften Grippesymptome, von denen er so schnell wieder gesundet. Auch die Augen von Patient Null leuchten später nicht grünlich, obwohl sie aber immerhin geradezu unmenschlich schimmern, was der aufmerksame Beobachter der völlig unauffälligen nächtlichen Versammlungen, die einiger Stadtbewohner auf öffentlichen Plätzen neuerdings veranstalten, auch einfach genauso bemerken muss wie die mysteriösen Verhaltensänderungen seiner amerikanischen Mitbürger. Grün wird jedoch immerhin – und damit verrät man dem erfahrenen Leser des Genres überhaupt nicht zu viel – im Laufe der nächsten Tage sein Blut (bzw. noch später: sein Schaum).

Angesichts dieser an eher an die filmischen Mittel billiger Gruselschocker erinnernden Beschreibungen überrascht es dann auch überhaupt nicht nicht mehr, wenn sich die Finger des jungen Mannes zuletzt tentakelartig verändern und nach der Eroberung unseres Heimatplaneten greifen.

Rätselhaft: Auf der Suche nach der KreativITÄT

Einfalls- und ideenreich zeigt sich auf der Suche nach dem Rätsel bedingt die Handvoll Helden, die die Menschheit vor ihrem Untergang bewahren will und dabei zunehmend verfolgt und bedroht wird. Oder wollen die Fremden doch nur die Rettung der Erde? Immerhin beklagen alle von der Grippe Genesenen, das heißt all jene, in denen ein seit Milliarden von Jahren in der DNA schlafende Virus geweckt wurde, die zunehmende Umweltzerstörung und Verantwortungslosigkeit des Menschen. Gerade so, als wären sie ein Kollektiv.

Und das ist auch schon das Kreativste, was der Roman an Ideen zu bieten hat. Etwas zu auffällig zeitgeisty einmontiert wirkt der Umweltaspekt im stereotypen Rest. Aber immerhin ist der Gedanke irgendwie grün.

Gelöst wird das Rätsel letztendlich, weil die Heldengruppe nicht nur aus verliebten Jugendlichen besteht, sondern sich in dieser auch eine Ärztin und eine Virologin befinden. Die wirklich recht spannend und unterhaltsam geschriebene Suche nach der geheimnisvollen Ursache erfolgt in „Grünes Gift“ also – wenig überraschend – in für den Medical Thriller typischer Manier, mit Krankenuntersuchungen, Symptombeschreibungen, Rätselraten und zahlreichem medizinischem Fachblabla. Manchmal wird sich hierzu versteckt und geflüchtet. Das alles wirkt recht gelungen, was aber auch nicht überrascht, schließlich war Robin Cook selbst gelernter Arzt und literarisch ist dieses sein Metier.

Verblüffend ist eher, wie wenig Mühe Cook darauf verwendet hat, den Figuren Charakter zu geben. Dabei wäre das mittels der sehr umfangreichen und manchmal schon ausufernden Dialoge sehr leicht möglich gewesen. Die Figuren entwickeln aber keinerlei Persönlichkeit jenseits ihrer Rollenzuschreibungen in der Gruppe hinaus. Es ist auch deprimierend für den Leser, wenn Figuren auf Yogi-You-Karten mehr Tiefe besitzen als die Protagonisten am Ende von Cooks 380-Seiten-Roman.

Fazit

Vielleicht würde den Leser auch dafür ein starkes Ende entschädigen; eines, das diese an den Genremustern entlanggeschriebene, aber immerhin unterhaltsame Heldenquest irgendwie kreativ oder wenigstens überzeugend schließt. Oder zumindest mit einer schlecht durchdachten Banalität den Leser nicht noch einmal enttäuscht. Aber genau das tut „Grünes Gift“.

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