Über DystopischeLiteratur.org

Ausführlich:

  • DystopischeLiteratur war aus dem Wunsch heraus entstanden, eine Anlaufstelle für all diejenigen zu schaffen, die sich genau wie die hier Rezensierenden für Dystopien begeistern können – denn eine solche gab es bisher im deutschsprachigen Netz nicht.
  • Ziel von DystopischeLiteratur war es, in Zukunft einen umfassenden Überblick über die Vertreter jeglicher Couleur des dystopischen Genres zu schaffen, Empfehlungen für die private Lektüre zu bieten, über wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und nicht zuletzt: Das Genre aktuell zu erschließen. Ja, das war vermessen.
  • Auf DystopischeLiteratur rezensiere ich die von mir gelesene Literatur des Genres. Und vielleicht schreibe ich auch hin und wieder etwas Theoretisches zum Genre.

Präsenz und Erwähnungen in Printmedien

  • Focus Schule (06/2011) (Erwähnung & Zitat). Wenn ich mich richtig entsinne, führte ich mit dem Focus ein Interview, woraus dieses wurde:

Schöne neue Welt? Von wegen. Düstere Zukunftsszenarien beherrschen den den Büchermarkt. Dystopien, ­ das Gegenteil von Utopien, ­ begeis­tern seit dem Erfolg der „Tribute von Panem“-Trilogie junge Leser. „Klima­katastrophe, Polschmelze, Artensterben, Finanzkrise ­ – seit Jahren dominiert die apokalyptische Rede den gesellschaft­lichen Diskurs“, erklärt Maik Nümann, Lehrer und Betreiber der Web­Seite dystopischeliteratur Für den Trend Dystopie hat er drei Thesen (vgl. Kasten) aufgestellt, die von diesjährigen Neuerscheinungen belegt werden… Warum lieben junge Leser Dystopien: Drei Thesen zum Trend. 1) Der mehrjährige Hype der Fantasy-Bücher hat science-fiction-affineren Werken der fantastischen Literatur den Weg geebnet. 2) Liebesmotive haben das Genre der klassischen Dystopie über das Abenteuerelement hinaus bereichert. Deshalb werden die Romane nun auch von Mädchen gelesen – bisher nicht die klassische Science-Fiction-Leserschaft. 3) Der Reiz des Genres liegt letztendlich aber in dem Konflikt zwischen Individuum und Staat. Der Protagonist muss seine Freiheitsrechte gegen die Gesellschaft oder deren Repräsentanten erkämpfen – und ist somit eine hervorragende Identifikationsfigur für den jugendlichen Leser.

o.A.Focus-Schule, 6/2011, Die Lust am Weltuntergang, S.50-51.

Auf den ersten Blick scheint der Erfolg des Romans recht durchschaubar zu sein und auf ein einfaches Grundrezept zurückzugehen: Man nehme die beispielsweise aus Kinji Fukasakus Film Battle Royale (2000) bekannte Idee eines staatlich durchgeführten Todesspiels mit Jugendlichen, vermische sie mit romantischem Dschungel-Kitsch à la Blaue Lagune (USA 1980) und serviere das Ganze mit reichlich Intrige und einem Schuss Fantasy. So vertritt etwa Maik Nümann die Ansicht, dass Collins’ Grundidee eher eskapistische Intentionen transportiere: »Während sich in anderen dystopischen Jugendromanen wie Paolo Bacigalupis ›Schiffsdiebe‹ und John Christophers ›Die Wächter‹ eine (wenn auch insgesamt schwache) Wirkungsabsicht erkennen lässt, ist dieses bei Collins nicht mehr der Fall. Insofern wird hier das dystopische Genre – wenn man nicht die Hungerspiele als eine Warnung vor einer zukünftigen Entwicklung der Medienlandschaft oder als Parabel auf die ökonomische Einrichtung unserer heutigen Welt sehen will – seiner eigentlichen Funktion beraubt. Collins erzählt … mit dem Ziel der reinen Unterhaltung.«

 Bartholomäus figatowski, Geht die Welt unter, Mom, in: Sascha Mamczak (Hg.), Sebastian Pirling (Hg.), wolfgang Jeschke (Hg.), Das Science fiction Jahr 2013, München, S. 211).

  • Immerhin in der Fußnote meine Auflistung der zur Definition des Genres verwendeten Begriffe. Diese basiert aber auf: Stephan Meyer, Die anti-utopische Tradition, S. 49ff.

Tatsächlich gibt es noch viel mehr Bezeichnungen für den gleichen Sachverhalt. Maik Nümann listet auf seiner Webseite Dystopische Literatur nicht nur über 800 Dystopien auf, sondern hat neben Dystopie noch ca. 20 synonyme Begriffe aus der Literatur gesammelt. Evolutionistische Utopie (Tuzinski 1965), Mätopie (Huntemann 1953), Schreckutopie und Groteskutopie (Borinski), Kakotopie (Burgess), Negative Utopie (Broich), Inverted Utopia und reverse Utopia (Walsh), False Utopia (Ross), pessimistische Utopie (Mauthe), Schreckbilder (Hohoff), Gegenutopie (Seeber), negative utopia (Rey), apotropäische Utopie (Hönig), anti-technische Utopie (Sühnel), Schwarze Utopie (Saage), Anti-Utopie (unter anderen: Meyer) siehe auch meyer 2001, Zeißler 2008, Scholtz 2010.

Leila akremi, kommunikative konstruktion von zukunftsängsten. imagination zukünftiger Identitäten im dystopischen Spielfilm, Berlin, 2016, S. 91.

  • Wie auch ich in der Definition des Genres Dystopie als den weiteren Begriff verwendend und die Bezeichnung Anti-Utopie erfreulich nur für die Werke mit anti-utopischer Stoßrichtung verwendend sowie über die Etymologie referierend der Braunschweiger Anglistikprofessor Eckart Voigts:

As the focus here is on “bad places,” we exclude the long tradition of utopian writing, in the sense of a “good place” (Gk. eu-topos), while dystopias and utopias both share the meaning ou-topos, i.e., in Greek, a non-existing place. Whereas the term dys-topia (Gk. dys-, “bad, hard,” together with caco-topia, Gk kakó-topos, “wicked place”) was first used by John Stuart Mill in 1868, the use of dys-topia as an antonym of eu-topia is first recorded in the study Quest for Utopia by Glenn Negley and J. Max Patrick in 1952. The terminological mayhem, however, continues (evolutionist utopia and anti-eutopia (Tuzinski), cacotopia (Mill, Burgess), Mätopie (Huntemann), negative utopia (Sargent, Broich, Rey), inverted and reverse utopia (Walsh), apotropäische
Utopie (Hönig), black utopia (Saage), nasty utopia, devolutionist utopia, Gegenutopie (Seeber), pessimist utopia (Mauthe), anti-technical utopia (Sühnel); cf. Meyer 2001, Seeber 2003, Müller 2010: 32-39, Nümann 2010-). We have opted for the most widespread term ‘dys-topia’ rather than ‘anti-utopia’ to indicate that we not only include texts directly addressing the perverted idealism of utopias gone wrong (cf. for Sargent’s distinction between dystopia and anti-utopia Baccolini/Moylan 2003: 5; cf. also
Seeber 2003: 223f.).

eckart Voigts, Dystopia, Science Fiction, Post-Apocalypse: Classics – New Tendencies – Model Interpretations, Trier, 2015, S.1.

Sonstige Nennungen

  • Wenn auch mit zwei „n“, erinnere ich mich doch, dergleichen einst in der Sammelrezension für kjl&m geschrieben zu haben:

Im Zentrum der hier behandelten dystopischen Erzähltexte stehen Themen wie Schule, Politik und Computertechnologien, wobei diese in der Narration häufig gemeinsam verflechtet werden (vgl. Rank 2014, S. 6). Gerade politische Themen werden in Dystopien besonders häufig angesprochen. „Klimawandel, Kriegsführung, Waffen, Fahrzeuge, Überwachung, Eingriffe ins menschliche Bewusstsein, omnipotente Steuerungsinstrumente, biologische Mutationen, medizinische Eingriffe und dergleichen mehr“ stellen neben „Computerprogrammen und virtuellen Welten“ (ebd.) typische Elemente dar, die in Dystopien aufgegriffen werden. Nüman benennt 2012 insbesondere „[d]ie negativ explorierten Konsequenzen Neuer Medien, das Problem der Umweltzerstörung und die Gefahren einer Pandemie“ (Nüman 2012, S. 59) als aktuell angesprochene Themen in dystopischen Jugendbüchern. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der schon viel früher im Zentrum dieser Textsorte stand, sind aber auch „die konkreten sozialen Erfahrungen der Altersgruppe“ (Schulze-Bergmann 2011).

Diana Schmidt, Dystopien, eine Alternative zur Fantasy? auf Kinderundjugendmedien.de (09.12.2020).

Ebenfalls aus kjl&m zitiert Lynn Feyereisen als Professeure Candidate:

So gibt es sowohl eine bedeutende Anzahl von Büchern, die oft entweder sprachlich oder inhaltlich qualitativ mangelhaft sind, als auch das Problem, dass, wie bereits angedeutet, nicht alles, was als Dystopie vermarktet wird, auch tatsächlich den Merkmalen der Dystopie entspricht. Maik Nümann, Studienrat für Deutsch und Geschichte und Betreiber eines Dystopieblogs, führt dies in seinem Beitrag „Aktuelle dystopische Jugendliteratur“ auf zwei Aspekte zurück: „[…] [E]in aus der englischsprachigen Literatur- bzw. Utopieforschung stammender Fachbegriff [avancierte] in kürzester Zeit zu einem zwar inhaltlich unscharfen, aber verkaufsfördernden Genrebegriff, unter dem die deutschen Verlage endlich all jene literarischen Schreckensbilder subsumieren konnten, die seit wenigen Jahren hierzulande in zunehmender Zahl erschienen.“


Lynn Feyereisen, „Schreckensszenarien“ im Unterricht. Aktuelle dystopische Romane als Schullektüre in der Unterstufe, Luxemburg, 2014, S. 64.

Problematisch wird das Trendthema erst dann, wenn der Kompromiss zwischen Jugendliteratur und Dystopie völlig zulasten dystopischer Merkmale geht. So stellt Schweikart fest, dass „[…] bei mehr und mehr Titeln […] der Weltuntergang zur Randerscheinung [gerät], […] die Herrschaftsform eine untergeordnete Rolle [spielt].“ Auch Nümann beobachtet, dass viele aktuelle jugendliterarische Dystopien es versäumen, die Warnfunktion ihrer Gattung voll auszuschöpfen: „Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass leider nur wenige Romane anstreben, ihre spannende Handlung mit den lehrreichen Warnpotentialen der Genres zu kombinieren.“

Lynn Feyereisen, „Schreckensszenarien“ im Unterricht. Aktuelle dystopische Romane als Schullektüre in der Unterstufe, Luxemburg, 2014, S. 76.