James Dashner: Im Labyrinth

Es gibt Rezensionen, die sind unmöglich: Nicht, weil sie eloquent an einem Buch vorbei geschrieben sind  – auch das kommt gelegentlich vor -, sondern weil sie als Text, wie der hier vorliegende über James Dashners Jugendroman Die Auserwählten – Im Labyrinth, mit jedem Wort das Eigentliche unberührt lassen müssen, wenn sie dem Werk nicht seine rätselhafte Atmosphäre rauben wollen. Denn gerade diese macht den Roman aus.

Natürlich ahnen sowohl der jugendliche als auch erwachsene Leser deutlich , dass mit der Welt, die der Autor aus Georgia da entwirft, etwas nicht stimmen kann. Dass sie auch in der literarischen Fiktion nicht ‘real’  sein kann. Zu deutlich sind die Hinweise, wenn sich der 15-jährige Protagonist ohne Erinnerung an seine Vergangenheit im Zentrum eines riesigen Labyrinthes wiederfindet, dessen Wände nicht nur ihn und vier Dutzend seiner Altersgenossen jede Nacht auf der schützenden Lichtung einschließen, sondern auch den Weg zu einem potentiellen Ausgang verändern. Selbst wenn damit noch nicht viel verraten erscheint, beginnt man doch, dem Rätselraten des zwar verblüfften, aber insgesamt seltsam wenig verwirrten Protagonisten, vorzugreifen – auch wenn dieser schon von Beginn an weiß, dass er einer jener 8 Läufer werden muss, die jeden Tag aufs neue für die gut organisierte Gemeinschaft den Irrgarten auf der Suche nach einem Fluchtweg  durchstreifen und dabei den gefährlichen Griewern auszuweichen versuchen.

Sagt man aber nicht schon viel zuviel, wenn man feststellt, dass der spannende Roman natürlich nicht in das Genre der Fantasy gehört, sondern in das des Science Fiction? Weil mit der Hauptfigur, aus dessen Sicht der 480-Seiten-Roman erzählt wird, ununterbrochen der Leser nach einer rationalen und wissenschaftlichen Erklärung dafür sucht, dass die Schöpfer die Jungen mittels der Käferklingen, kleinen Maschinen, beobachten, jeden Tag ihre Gefangenen von einer merkwürdig künstlich wirkende Sonne vom regen- und wolkenlosen Himmel bescheinen lassen und zudem an der Klippe ihre Griewer, Mischungen aus Tier und Maschine, im Nichts verschwinden können? Und sogar um einen dystopischen Science Fiction, weil die von den Griewern verletzten Opfer angesichts ihrer teilweise wiedergewonnen entsetzlichen Erinnerungen an die “Welt da draußen” und geheimnisvollen “Brand” innerlich verstocken?

Vielleicht wäre es  besser, sich in der Besprechung eines solchen Jugendromanes einfach auf die Elemente der Handlung zu konzentrieren, die zu jedem gelungenen Vertreter des Genres gehören: Die Suche eines jungen Menschen nach sich selbst, seiner Bestimmung und seinem Platz in einer Gemeinschaft sowie die Frage nach dem Sinn des Daseins. Ersteres vorgeführt in der Übernahme des amüsanten jugendsprachlichen Wortschatzes durch den Frischling, zweiteres versinnbildlicht im klonck Labyrinth. Das beginnende Interesse an einem fremdenartigen Mädchen, das in merkwürdig enger Verbindung zum eignen Dasein steht – und das ein Ende der bisher bekannten Jungenwelt einläutet. Mit dessen Erscheinen es heißt: Alles wird anders werden.

An einem kommt man aber trotz aller neugierig machenden Verklausulierungen als Rezensent einfach nicht vorbei: An der Kritik des Missglückten: Hier am erzähltechnischen Patzer, wenn die Reflektorfigur gegen Ende plötzlich deus-ex-machina visonär die Lösung aller Rätsel findet, jene aber dem Leser unerwartet auktorial vorenthalten wird. Und der nicht glücklichen Entscheidung des 39-jährigen Autors, dem eigentlich gelungenen Showdown, der die spannende Handlung dieses Pageturners abschließen sollte, eine weitere Reihe von kleinen Abenteuern anzufügen, die in den zweiten Band überleiten, welcher im Englischen auch schon erschienen ist.

Fazit

Als Lösung bleibt eigentlich da nur, sich am Ende von der Sache selbst zu lösen auf das eigene Empfinden zurückzuziehen, indem man feststellt: Der erste Teil von James Dashners Trilogie Die Auserwählten ist so spannend und rätselhaft, dass selbst seine strukturellen Schwächen am Ende kaum zu Buche schlagen. Und letztendlich: Auf die deutsche Fortsetzung aus dem Chicken House Verlag zu warten.

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