Daniel Suarez: Kill Decision

Rezension von Daniel Suarez‘ Thriller Kill Decision. Eine Buchbesprechung von Rob Randall

Daniel Suarez dürfte manchem durch seine sehr erfolgreichen dystopischen Romane Daemon und Darknet bekannt sei. Sein drittes Buch wartet nun weder mit dystopischen Elementen auf noch ist es ein Katastrophenroman – und trotzdem konnte ich nicht davon lassen, ihn zu besprechen: Denn wieder einmal überzeugen Suarez‘ interessante Ideen.

Der Inhalt

Finstere Mächte haben in den U.S.A. durch Drohnenangriffe schon Dutzende Menschen getötet – allerdings sprechen die Behörden wie auch die Medien bisher nur von „Bombenattentaten“. Als eine mit amerikanischen Hoheitszeichen versehene Drohne eine religiöse Prozession im Irak angreift, wird deutlich, dass jemand den U.S.A. auch außenpolitisch an die Gurgel geht. Wer das ist, soll eine mehr als streng geheime Geheim-Sondereinheit klären. Deren charismatischer Leiter „Odin“ rettet sogleich auch die Hauptfigur des Romans vor einem weiteren hinterhältigen Angriff: Eine amerikanische Insektenforscherin, die das Verhalten von Weberameisen mittels Computermodelle simuliert. Immer auf der Flucht und immer auf der Suche nach den Schuldigen muss das Einsatzteam bald erkennen, dass es dem gesichtslosen Feind gelungen ist, vollständig autonome Drohnen zu entwickeln, die wie die besagten Ameisen agieren – also alles angreifen und töten, was sich ihnen nähert… oder worauf sie programmiert sind. Das Schicksal der Menschheit steht auf den Spiel.

Beurteilung

Wer einen actionreichen Thriller lesen möchte, den enttäuscht Kill Decision nicht. Suarez bombardiert nicht nur amerikanische Chefetagen, sondern auch den Leser mit gefährlichen Situationen, aus denen sich die Helden gerade noch so retten können. Da lesen sich dann auch die gut 500 Seiten flott und unterhaltsam weg.

Das hat allerdings auch seinen Preis: Wie in den meisten Thrillern bleiben die Figuren zwischen dem ganzen BummBummPaff blass. Die beinahe genretypische fehlende Tiefe der Charaktergestaltung kann man Suarez wohl also nicht ankreiden, dafür allerdings, dass seine Versuche, dem gegenzusteuern, geradezu kläglich scheitern. Um wenigstens den männlichen Helden auszugestalten, verlegt er sich darauf, ihn mit zwei Raben („Hugin“ und „Munin“) sowie einem Osama-bin-Laden-Bart auszustatten und ihm den Decknamen „Odin“ zu verpassen. Nun ja.

Im Gegensatz zum Leser dürfen Hugin und Munin die beiden Protagonisten dann auch beim Liebesspiel beobachten. Auch dieser oberflächlichen Liebesgeschichte hätte der Roman – für meinen Geschmack – nicht bedurft. Denn wenn schon die Charaktere keine Tiefe gewinnen, geht einem deren Beziehung bestimmt nicht ans Herz. Sie verkommt hier zur konventionellen Illustration – und spielt, nebenbei gesagt, auch keine Rolle mehr.

Die Stärke des Autoren Suarez‘ zeigt sich auch weniger in der Gestaltung des politischen als des technischen Szenarios: Die von Suarez thematisierten Entwicklungen existieren zum größten Teil schon. Die fiktionale Extrapolation scheint minimal – aber realistisch und bedrückend. Und das gilt nicht nur für die Vision autonom agierender und tötender Drohnen, sondern auch für die Mittel, die eingesetzt werden, um entweder das politische Leben im medialen zu manipulieren oder Menschen virtuell zu durchleuchten, zu orten und auszuschalten. Wem sich aufgrund der Veröffentlichungen im NSA-Skandal die Nackenhaare aufgestellt haben, den dürften die hier gezeigten Möglichkeiten weiter frösteln lassen. Da möchte man beinahe zusammen mit der Hauptfigur das Handy zur Sicherheit im Teich versenken.

Fazit

Daniel Suarez behandelt in seinen Thriller Kill Decision mit autonom tötenden Drohnen eine hochaktuelle Entwicklung, die in allernächster Zukunft bestimmt in ethischer Hinsicht als auch unter Sicherheitsaspekten diskutiert werden wird. Dabei kommt dank der von oben herabsurrenden Killer niemals Langeweile oder Monotonie auf. Und das sind zwei gute Gründe, dem Autoren seine Figuren zu verzeihen.