Patrick A. Tilley: Die Amtrak Kriege – Wolkenkrieger

Der gelungene Auftakt der Amtrak-Reihe: Patrick A. Tilleys postapokalyptischer Roman „Die Wolkenkrieger“ . Eine Rezension von Rob Randall

Schon 1983 erschien „Wolkenkrieger“ als erster Roman der insgesamt 6 Bände umfassenden Amtrak-Serie, die in den vor langer Zeit durch einen Nuklearkrieg zerstörten Vereinigten Staaten spielt. Patrick A. Tilleys Roman reiht sich damit ein in eine ganze Serie von apokalyptischen bzw. postapokalyptischen Werken, die in diesem Jahr, in welchem der Widerstand gegen den Nato-Doppelbeschluss von 1979 seinen Höhepunkt erreichte, herauskam. [1]

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Sakyo Komatsu: Der Tag der Auferstehung

Sakyo Komatsus Roman Der Tag der Auferstehung. Eine Buchbesprechung von Rob Randall

Zwei Buchreihen dominieren die Taschenbuchabteilung meines Bücherregals unübersehbar: Die erste ist die überwiegend in Regenbogenfarben fröhlich vor sich hinschillernde des Suhrkampverlages. Die andere: Ein monolithischer schwarzer Block von gut zwei Metern – und dabei besitze ich nur einen Bruchteil der mehrere tausend Titel umfassenden legendären Science Fiction & Fantasy Reihe aus dem Heyne Verlag. Ihr langjähriger Herausgeber Wolfgang Jeschke machte in den 70er und 80er Jahren durch diese nicht nur eine ganze Reihe junger deutscher SF-Autoren der breiten Öffentlichkeit bekannt, sondern auch erfolgreiche internationale SF dem Fan auf Deutsch zugänglich.

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Aldous Huxley: Affe und Wesen

Eine Rezension von Rob Randall

Wenn das 20. Jahrhundert eines gezeigt hat, dann das, dass das Tierische im Menschen sich nur allzu leicht Bahn durch die dünne Kruste zivilisatorischer Erhabenheit bricht: Im Schatten zweier Weltkriege, der Shoa, totalitärer Staaten und des heraufziehenden Kalten Krieges gab es genügend Momente, in denen die Flamme der Humanität, der Kunst und Kultur nicht nur leicht flackerte, sondern schlicht auszugehen schien. Erstmals lag nun auch die gänzliche Vernichtung des Menschen durch den Menschen in greifbarer Nähe – und sowohl Wissenschaftler wie auch Politiker arbeiteten auf beiden Seiten immer fleißiger daran. Die Atompilze von Hiroshima und Nagasaki schienen nur Vorboten jenes Grauen, welches die Zukunft für die Menschheit bereithielt. Zahlreiche Schriftsteller und Philosophen machten sich desillusioniert an eine Bestandsaufnahme und suchten nach den Ursachen.

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Ray Bradbury: Fahrenheit 451

Eine Rezension von Rob Randall

Eine der bekanntesten Dystopien des 20. Jahrhunderts veröffentlichte 1953 der amerikanische Science-Fiction-Autor Ray Bradbury. Hervorgegangen aus mehreren Kurzgeschichten und geschrieben innerhalb von anderthalb Wochen auf einer Mietschreibmachine im Keller der University of California in höchst kunstvoller Sprache, beschreibt der Roman den Weg des amerikanischen Feuerwehrmanns Guy Montag in den Widerstand.

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Andrej Djakow: Die Reise ins Licht

Eine Rezension von Rob Randall

Vor gut vier Jahren begeisterte Dmitry Glukhovsky mit seinem doch insgesamt spannenden Roman Metro 2033 ein internationales Publikum. Nachdem der Nachfolgeroman Metro 2034 leider weniger überzeugen konnte, führten in Russland andere Autoren das vom Autoren „ins Leben gerufene Projekt“ weiter fort. Mit Die Reise ins Licht von Andrej Djakow ist nun endlich der erste Roman der bisher 12-bändigen Metro-2033-Reihe in deutscher Sprache erschienen – und auf diesen war ich wirklich sehr gespannt, denn obwohl mich die Handlung der beiden Romane von Dmitry Glukhovsky nicht vollständig überzeugen konnte, wirkte doch die vom Autoren erschaffene unterirdische Welt der Moskauer Metro wirklich beeindruckend: Was aber würden andere Autoren aus dem postnuklearen Universum Glukhovskys machen?

Auch Djakovs Roman beginnt in den dunklen Tunneln und Stationen einer U-Bahn – allerdings der Petersburger. Dort lebt der 12-jährige Waisenjunge Gleb in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Als aber der äußert fähige Stalker Taran den Jungen der Station „abhandelt“, ändert sich endlich dessen Leben: Denn Taran beginnt nicht nur, seinen Zögling einer harten Ausbildung zu unterziehen, er nimmt ihn – und einige andere Stalker – mit auf eine gefährliche Reise an die weitgehend verstrahlte und von gefährlichen Mutationen bevölkerte Oberfläche. Das Ziel der abenteuerlichen Reise soll das gut 40 km entfernte Kronstadt sein, denn es wollen nicht nur Augenzeugen ein rätselhaftes Lichtsignal auf der Insel bemerkt haben, sondern von dort erwarten die Propheten des EXODUS auch die Rettung der Metro-Bewohner in Form eines eintreffenden Schiffes. Doch bevor die Gruppe das Geheimnis des Lichtsignals im Hafen von Kronstadt lüften kann, gilt es, zahlreiche Abenteuer zu bestehen.

Ebenso wie Glukhovsky in Metro 2033 erzählt Djakov in Die Reise ins Licht nicht nur eine einsträngige Abenteuergeschichte, sondern schildert auch die Entwicklung eines  jungen Metrobewohners, der mit den an ihn gestellten Herausforderungen zu einer starken Persönlichkeit heranwächst. Während der Leser bei Glukhovskys noch in die Hauptfigur Artjom schlüpfen und aus seiner Sicht die Welt der Metro erleben kann, will dieses bei Djakovs Gleb nicht gelingen. Dafür sind unter anderem die zahlreichen auktorialen Kommentare verantwortlich, die beständig nicht nur die Gedanken des Jungen, sondern auch die Handlungen aller anderen Protagonisten sowie die Gesamtsituation unter teilweise seltsam philosophisch anmutenden Blickwinkeln beleuchten. Wirkliche Tiefe gewinnt der Roman durch diese aber nicht, zumal es Djakov auch nur stellenweise gelingt, die Figuren zum Leben zu erwecken. Und obwohl die Reise der Gruppe durchaus spannend ist, wirkt sie doch – auch aufgrund des Grundplots – recht einfallslos. Den Leser erwarten trotz zahlreicher gefährlicher Sitationen und neuen Wesen – vom Ende des Romans einmal abgesehen – kaum Überraschungen (Es sei denn, man möchte jene verblüffenden Momente hinzurechnen, in denen es der 12-jährigen Hautfigur gelingt, einen erwachsenen Mann im Ringkampf zu besiegen). Aufgrund der sehr einfachen Anlage der Handlung und der Wahl der doch recht jungen Hauptfigur erweckt Die Reise ins Licht noch viel stärker als Metro 2033 beim Leser den Eindruck, es hier vor allem mit einem wenig tiefgängigen, aber immer noch unterhaltsamen Jugendroman zu tun zu haben – der allerdings eine ganze Menge jener apokalyptischen Untergangsstimmung aufweist, die schon Metro 2033 lesenswert gemacht hat.

Fazit

Djakovs Die Reise ins Licht richtet sich in viel stärkerem Maße an ein jugendliches Publikum als Metro 2033. Und obwohl die Geschichte selbst recht einfach gerät, kann sie durchaus noch unterhalten, zumal es dem Autor doch gut gelungen ist, die Atmosphäre aus Metro 2033 seinem Werk dienstbar zu machen.