Dmitry Glukhovsky: Outpost

Am Rande der postapokalyptischen Welt: Dmitry Glukhovskys Roman „Outpost“

Eine Rezension von Rob Randall

Mit seinem neuen Roman „Outpost“ kehrt der russische Erfolgsautor Dmitry Glukhovsky zurück in ein postapokalyptisches Russland. In „Outpost“ hat aber nicht wie im Metro-Universum ein Atomkrieg zwischen den Großmächten die Welt verseucht, sondern Russland selbst ist an inneren Konflikten zerbrochen.

Outpost: Ein atmosphärisches Setting

Bei diesem nur schemenhaft anerzählten Bürgerkrieg sind jedoch durch die Moskauer Zentralgewalt (oder ihre Gegner) rätselhafte Waffen eingesetzt worden, sodass gut eine Generation nach dem Konflikt giftige Nebelschwaden über der Wolga die Überquerung der Eisenbahnbrücke von Jaroslawl und den Kontakt mit der mysteriösen Welt dahinter unmöglich machen.

Wer an den atmosphärischen Beschreibungen des postapokalyptischen Moskaus in der Metro-Reihe Gefallen gefunden hat, wird auch diesmal nicht enttäuscht werden: Ebenso dicht wie die giftigen Schwaden über dem Strom gestaltet Glukhovsky die Atmosphäre in dem heruntergekommenen kleinen Außenposten des Moskoviter Reiches, dessen eintönige Aufgabe seit Jahren der Grenzschutz gegen das gefährliche Unbekannte im ehemaligen Feindesland ist, das irgendwann doch noch einmal die Brücke überqueren könnte.

Kein Wunder also, dass dieses Setting nicht nur den 17-jährigen Protagonisten Jegor neugierig auf das macht, was jenseits des Flusses geschieht, sondern auch den Leser. Diese Spannung erhöht sich noch, als zum ersten Male seit dem Krieg ein geheimnisvoller tauber Prediger die Brücke überquert und unheilvolle Prophezeiungen macht: Da wird die Zentralregierung genauso hellhörig wie Jegors Mutter hellsichtig. Auf des Rätsels überraschende Lösung werden Jegor, Mama und Leser aber trotzdem erst am Ende kommen.

Outpost: Nervige Familie

Intensiv gestaltet Glukhovsky die zwischenmenschlichen Beziehungen aus: Nicht nur zwischen Jegor und dem Kommandanten – seinem Stief-Vater – sowie seiner Mutter, sondern auch innerhalb einer ganzen Gruppe von Figuren, welche für das Leben des Helden von Bedeutung sind: Wie z. B. der jungen Michelle, die mindestens genauso intensiv davon träumt, nach Moskau zurückkehren zu können wie Jegor von ihr. Mit (Stief-)Eltern-Kind-Konflikten sowie der unerwiderten ersten Liebe berührt Glukhosky eine ganze Reihe von Themen, die einfach in keinem Coming-out-of-Age-Roman fehlen dürfen. Ob es eher für oder gegen den Roman spricht, dass der Leser manchmal genauso genervt von der Mutter des Protagonisten ist wie dieser selbst, ist allerdings eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss.

Am Ende kommt man aber nicht umhin festzustellen: In Glukhovskys neuer Postapokalypse erinnert vieles an Metro. Der 17-jährige Held des Romans steht nun nicht mehr an einem nächtlichen Posten am Moskauer U-Bahnnetz, sondern an einer Eisenbahnbrücke. Der Kommandant ist nicht sein Onkel, sondern sein Stiefvater. Wieder quietschen Draisinen auf den Schienen.1 Und genauso wie der Mangel bedroht das Unbekannte aus dem Außen jene kümmerliche Welt, in welcher er herangewachsen ist – und die er nun nichts weniger als retten muss. Dieses Mal verlässt der Held diese jedoch nicht. Aber gibt es denn überhaupt eine jugendliche Heldenquest ohne einen wirklichen Aufbruch?

Nein, offensichtlich nicht: Die unvermeidliche Fortsetzung Outpost – Der Aufbruch erscheint am 11.05.2023 auf Deutsch im Heyne-Verlag.

1 Nicht verwechselt werden sollte der Roman „Outpost“ übrigens mit der Graphic-Novel gleichen Namens von Glukhovsky, die im Metro-Universum und an einem amerikanischen Eisenbahnposten spielt.

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