W. D. Rohr: Inferno

Die meisten Aliens sind böse und wollen immer nur das eine: Unseren Planeten. Die Vernichtung der lästigen Menschheit gerät dabei zum notwendigen Kollateralschaden. W. D. Rohrs  grünen Exemplaren spricht die Boshaftigkeit schon aus den merkwürdigen Katzenaugen und spitzen Zähnen. Deshalb fackeln die Invasoren nicht lange: Wenige Minuten nach ihrem Eintreffen hat schon eine Salve von Atomraketen alle Städte der Erde ausradiert. Gezielt wird Jagd auf die restlichen Überlebenden gemacht. Eigentlich wäre, wenn die Romanhandlung von Inferno einsetzt, schon alles längst vorüber und die neuen Herren der Erde könnten mit ihrem Besitz machen, was sie denn auch immer damit machen wollen – wenn sich nicht einige Exemplare des Homo sapiens sapiens besonders widerborstig zeigen würden.

Die Menschheit taucht ab

Lästig: Diese haben ein amerikanisches Atom-Uboot zur Guerillawaffe umfunktioniert und versetzen dem außerirdischen Gegner hin und wieder Nadelstiche. Beständig verfolgt von außerirdischen Flugmaschinen, welche die Helden glücklicherweise reihenweise mit Thermogeschossen vom Himmel holen können, wird nur im Schutze der Nacht an einsamen Inseln oder in der geheimen unterirdischen Basis aufgetaucht. Dabei darf kein Risiko eingegangen werden: Denn an Bord befindet sich mit 50 Personen nicht weniger als die gesamte Menschheit. Die Last der Verantwortung wiegt schwer auf den Schultern der wenigen Überlebenden und führt den Einzelnen an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Sei es, weil er eine Frau nehmen muss, obwohl er gar nicht will, oder sei es, weil er keine haben darf, weil er zu nahe am Atomreaktor arbeitet. Kein Wunder, dass diese Zustände dem verspätet an Bord gehenden Protagonisten des Romans auf lange Sicht unerträglich  – und die letzten Menschen zunehmend als ein Haufen Verrückte  – erscheinen.

“Trivialliteratur” mit Anspruch

Rohrs Inferno ist eine merkwürdige Mischung aus Schemaliteratur und psychologisierendem Schreiben. Die zahlreichen Scharmützel mit den fiesen Aliens unterhalten. Die Rollen sind klar verteilt: Die wenigen Guten kämpfen gegen eine Übermacht des Bösen einen gerechten Kampf. Dieser zeitigt kleine Erfolge, welche aber angesichts der technischen Überlegenheit des Gegners immer wieder nicht ganz glaubwürdig erscheinen. In Rohrs Roman – dieser wurde 1960 das erste Mal veröffentlicht – darf der Held des Romans auch noch wirklich ein Held sein – mit Thermo-Flak und zu beschützendem Weibchen, das selten etwas zu sagen hat.

Als Neuzugang ist der Blick des Helden auf die Gesellschaft an Bord auch ein kritischer. Das hebt ihn über die anderen Figuren, die ihr Leben an Bord fristen, deutlich hinaus und ermöglich dem Leser einen Blick auf die tatsächlichen Zustände an Bord. Hier bleibt Rohr aber im Ansatz stecken: Der bedrückende Alltag an Bord wird ausgeklammert. Aus Gründen der Spannung verlegt er sich auf Herausragendes. Nur wenige Figuren lernt der Leser tatsächlich kennen – und vielfach geraten diese, selbst wenn sie nicht nur durch die Gänge huschende Schatten bleiben und über ihre Ängste und Leiden sprechen, noch zu holzschnittartig. Wenn die Vermutungen des Helden stimmen sollten – und die Passagiere des letzten Botes weniger aus Verantwortlichkeit gegenüber der Menschheit denn aus Angst, Entsetzen und Wahnsinn handeln wie sie handeln, so vermag der Leser dieses nicht zu erkennen. Es fehlt hier: Das Showing. Dieses gönnt Rohr dem Leser weitgehend nur in den actionreichen Szenen.

Stimmiges und Unstimmiges

In seinem Ausgang überzeugt das Ende, welches sich im Verlauf der Handlung immer stärker abzeichnet – und deshalb auch verraten werden darf: Angesichts der generellen Überlegenheit des rätselhaften Gegners ist im Bumm-Bumm-Showdown kein Sieg für den Menschen mehr zu erringen. Das liest man selten. Warum aber die Aliens immer wieder mit Kanonen auf Spatzen schießen, sprich: Mit einer Salve Atomraketen auf die mit Pfeil und Bogen bewaffneten Eingeborenen von Borneo – und so ihr neues Heim gleich wieder zunehmend unbewohnbar machen, bleibt im radioaktiven Dunkel.

Fazit

Rohrs Inferno zeigt auf 160 Seiten mit dem Überlebenskampf einer Handvoll Verzweifelter nur den letzten Ausschnitt der Menschheitsgeschichte. Das ist spannend und kurzweilig. Den erhobenen Anspruch, die Psychologie der letzten Menschen ins Blickfeld zu nehmen, kann der Roman auch aufgrund seiner Kürze aber nicht einlösen.

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