Mary Shelley: Verney oder der letzte Mensch

An die Autorin Mary W. Shelley erinnert sich die lesende Öffentlichkeit heute überwiegend nur noch aufgrund ihres Romanes Frankenstein. Doch neben diesem Werk, das von vielen als erster Science Fiction Roman überhaupt angesehen wird, hat die Autorin ein weiteres verfasst, das zumindest für die Literaturgeschichte von Bedeutung ist: Verney, der letzte Mensch. Erscheint die Apokalypse 1805 in Cousin de Granvilles Le dernier homme noch nicht vollständig säkularisiert, so präsentiert sie sich bei Shelley 1826 erstmals nicht als heilsbringende “Enthüllung” im Rahmen eines göttlichen Planes, sondern tatsächlich als literarische Erzählung vom Untergang der Menschheit. Damit stellt Verney, der letzte Mensch den ersten Roman des postapokalyptischen Genres überhaupt dar. Dass der Roman als in Deutschland weitgehend unbekannt bezeichnet werden muss, ist also nicht seiner fehlenden Bedeutung zuzuschreiben, sondern zum einen der zeitgenössischen Ablehnung des Werkes und zum anderen der auch hieraus resultierenden erst sehr späten deutschen Veröffentlichung im Jahre 1983 – allerdings dürften auch die spezifischen Qualitäten dieses dreibändigen Romanes aus dem 19. Jahrhunderts dafür verantwortlich sein, dass er so selten gelesen wird.

Prophezeiungen von Ende der Zeit

Um nachvollziehbar zu machen, wie es dazu kommen kann, dass die Aufzeichnungen des letzten Menschen auf den zeitgenössischen Leser gekommen sind, weist zu Beginn des Romanes die Herausgeberfiktion Verneys Autobiografie bzw. dessen Bericht von der Katastrophe, die als Pandemie daherkommt, als mysteriöse Funde aus der Höhle der Sibylle auf Sizilien aus. Insofern geriert sich der Roman letztendlich als eine möglicherweise zutreffende Prophezeiung über die kommende Endzeit aus dem Ende des 21. Jahrhunderts. Inspiriert dürfte die Autorin bei dieser phantastischen Vision aber das Wüten der Pest in Asien und Europa haben. Tatsächlich erreichte die Pest im Jahre 1831 auch London. Angesichts der Inhalte der ersten Hälfte des Werkes und der Verarbeitung tatsächlichen Geschehens überwiegt im Werk insgesamt der realististische Modus gegenüber dem phantastischen.

Inhalt

Das erste Buch schildert neben der Jugend Lionel Verneys, dem Sohn eines früh verstorbenen Lebemannes und bankrotten ehemaligen Vertrauten des englischen Königs, wie dieser nach seiner weitgehend verwilderten Jugend auf dem Lande Freundschaft mit Adrian, dem Sohn des ebenfalls schon verstorbenen englischen Königs und jetzigen Herzog von Windsor, schließt. Beide schließen einander ins Herz und Adrian eröffnet Verney den Zugang zu Bildung und Gesellschaft. Zudem verliebt sich Verneys Schwester Perdita in Adrian, der aber an die griechische Dame Evadne sein Herz verloren hat und angesichts seiner politischen Überzeugungen sowie des politischen Drucks auf seine Position verzichtet hat. Da Evadne allerdings den Kriegshelden des griechisch-türkischen Krieges und Machtpolitiker Lord Raymond begehrt, verliert Adrian zeitweilig den Verstand und lebt fernab seiner Freunde in der Obhut seiner Mutter. Diese verfolgt den Plan, ihre Tochter Idris mit dem ehrgeizigen Lord Raymond zu verheiraten, allerdings haben sich Verney und Adrians Schwester Idris in einander verliebt. Dieser Beziehung steht die ehemalige Königin, die ihre Nachkommen wieder an der Macht sehen will und zudem Lionel Verneys Vater gehasst hat, ablehnend gegenüber. Als sie Idris nach Östrreich bringen lassen will, entführt Verney seine Geliebte und kann sie endlich ehelichen, auch wenn Idris Mutter fortan jeden Kontakt mit ihr verweigert. Langsam genest auch Adrian wieder. Lord Raymond, der zuvor schon Perdita geheiratet hat und mit ihr eine Tochter, Clara, gezeugt hat, wird zum Lord Protector Englands gewählt. Angesichts seiner heimlichen Treffen mit der finanziell ruinierten Evadne, der er nach Jahren wiederbegegnet ist, verliert aber Perdita das Vertrauen in ihren Mann. Nach der darauf folgenden Trennung beteiligt sich Lord Raymond auf griechischer Seite wieder im griechisch-türkischen Krieg. Perdita, die Lord Raymond immer noch liebt, überredet ihren Bruder Lionel, sie nach Griechenland zu bringen, um Raymond zu finden.

Zu Beginn  des zweiten Buches findet Lionel Raymond, beide nehmen an der Eroberung Konstantinopels teil. Zuvor haben sie unter einigen Gefallenen auch Evadne gefunden, die vor ihrem Ableben allerdings Raymonds Tod prophezeit.  Diese Voraussage bewahrheitet sich: Bei dem Sturm im Alleingang auf das wegen der dort wütenden Pest weitgehend verlassene Konstantinopel kommt Raymond ums Leben, Lionel birgt seinen Körper aus den Ruinen der Stadt. Mit seiner Schwester kehrt er nach Großbritannien zurück. Die tödliche Seuche, vor der schon die Einwohner von Konstantinopel geflohen sind, entwickelt sich langsam zu einer Pandemie. Die englische Insel, die sich noch sicher glaubt, erreichen Nachrichten über Millionen Tote in Afrika und Amerika. Als die Seuche auch in England auftritt, übergibt der gewählte Lord Protector Ryland, der nur noch sein eigenes Leben retten will,  seinen Posten an Adrian. Dessen Versuche, der Pest Einhalt zu gebieten, sind fruchtlos. Mehrere Jahre lang sterben – vor allem im Sommer – die Menschen an der Krankheit. Erste Wanderungszüge setzen ein und bringen Probleme: Allerdings gelingt es Adrian zuletzt, die aus Amerika stammenden und erst in Irland, später in England plündernden Horden ohne umfassende militärische Konfrontation zu befrieden.

Das dritte Buch berichtet über die Umsetzung der Pläne der wenigen überlebenden Engländer, ihre Insel zu verlassen, um in klimatisch besser geeigneten Regionen zu siedeln. Nachdem Lionel Idris begraben und sich mit seiner Schwiegermutter versönt hat, verzögert nicht nur ein Sturm die geplante Überfahrt, sondern auch eine Flutwelle, die durch Kometen, die ins Meer stürzen, hervorgerufen wird. Beides wird als böses Omen interpretiert. In Frankreich angekommen, teilt sich die Gemeinschaft; in Paris kommt es zum Konflikt mit einem religiösen Führer, daraus gehen Adrian und Lionel aber siegreich hervor. Auf dem Weg durch die Schweiz sterben die restlichen Begleiter. Es überleben nur AdrianLionel sowie Clara und EvelynLionel Verneys Sohn. Während dieser an Typhus in Italien stirbt, kommen Adrian und Clara bei einem Sturm auf See ums Leben. Lionel, der an die italienische Küste gespült wird, macht sich nach der Niederschrift der Ereignisse während eines einjährigen Aufenthaltes in Rom angesichts seiner Einsamkeit verzweifelt und wider besseres Wissen auf die Suche nach weiteren Überlebenden. Als letzter Mensch will er, begleitet von seinem Hund, die Küsten entlangsegeln.

Langatmige Liebeleien und politische Intrigen

Wer den ersten Band des Werkes liest, merkt bald: Shelley hat hier alles andere als einen reinen postapokalypstischen Roman verfasst. Nicht nur, dass das eigentliche Nachspiel am Ende der Zeit im Umfang weit hinter der Beschreibung der apokalyptischen Vorgänge zurücksteht, der Katastrophe vorgeschaltet wird sogar noch eine gefällige Mischung aus politischen Ränkespielen und komplizierten Liebesgeschichten, wobei hier auch Aspekte des zeitgenössischen Bildungsromanes enthalten sind. Mit diesen doch ermüdenden Ausführungen füllt die Autorin den gesamten ersten Band. Diese Anlage erklärt der Ich-Erzähler Verney auf der letzten Seite des Gesamtwerkes letztendlich mit dem Wunsch, seine ganze Lebensgeschichte zu Papier zu bringen – auch wenn er befürchtet, dass niemand sie mehr lesen wird. Doch für die komplizierten Beziehungen der Figuren gibt es noch eine andere Erklärung. Brian Aldiss führt dazu aus: Ein moderner Leser findet hier nur durch, wenn er sich vor Augen hält, dass Mary Porträts von Menschen, die sie kannte, zeichnete.* So trägt nicht nur die Figur von Adrian deutliche Züge von Shelleys Mann Percy, sondern hinter dem fiktiven Lord Raymond steht deutlich der vermutlich an Typhus verstorbene Lord ByronMary Shelleys Freund. Perdita ist Claire Claremont. Insofern muss man Verney, der letzte Mensch vor allem als Schlüsselroman lesen, in dem Shelley den Tod mehrerer geliebter Menschen und das Scheitern ihrer gemeinsamen idealistischen Vorstellungen verarbeitet, zumal sie sich in einem ihrer Tagebucheinträge jener Zeit selbst als den letzten Menschen bezeichnete. Insofern kann demjenigen, der den Roman heutzutage lesen – und genießen – will, nur geraten werden, sich schon im Vorfeld mit dem Leben der Autorin vertraut zu machen.

Die Negation der Utopien: Erst im Tode sind alle gleich

Shelley beschreibt mehrfach, wie sich die Armen im weitgehend entvölkerten England der Wohnsitze und des Reichtums der Eliten bemächtigen. Explizit führt der Ich-Erzähler aus, dass das Angebot der zurückgelassenen Güter die Nachfrage der wenigen Lebenden bei weitem übersteige. Das millionenfache Sterben ebnet hier die gesellschaftlichen Unterschiede bis zur Unerkenntlichkeit ein – und obwohl dem Adrian der Gemeinschaft der Engländer weiterhin voransteht, wird doch auch deutlich, dass sich im Wanderungszuge der wenigen Überlebenden soziale Wunschträume, wenn auch mit teilweise negativen Vorzeichen erfüllen. Olaf Briese stellt zu verschiedenen Untergangsszenarien des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts und der Tatsache, dass an ihrem Ende neue Gesellschaften stehen, fest:

Alle diese Apokalypsen arbeiteten daran, ihre naturalen Qualitäten auszuschalten – sie im Modus des Sozialen, der Politik zu annihilieren. Die Seuche unterlag grenzenlos menschlichem Zugriff. Der aufklärerische Traum vollstreckte sich symbolisch ausgerechnet an dem Trauma, das seine Realität so entschieden hatte zunichte werden lassen.**

Nun scheitern hier im Sterben der Beteiligten aber nicht nur die Reisepläne, sondern auch die utopische Koloniegründung des in höchstem Maße idealistischen Adrian. Insofern negiert die Shelley’sche Apokalypse alle utopischen aufklärerischen Zukunftsvorstellungen ihres ehemaligen Freundeskreises.

Erst in dieser Dimension der Verneinung wird die persönliche Verzweiflung der Autorin angesichts ihrer Verlassenheit deutlich. Shelleys Beschreibungen der mehrjährigen Apokalypse geraten dabei zwar durchaus eindrucksvoll, doch noch bei weitem nicht so grausam und furchterregend wie die aus Matthew P.Shiels Die purpurne Wolke, die sehr viel eindringlicher erscheinen – obwohl Shelley im Gegensatz zu Shiel das Sterben und den körperlichen Verfall der Figuren selbst en detail schildert, worin sie sich nicht nur als an den Naturwissenschaften Begeisterte zeigt, sondern auch als ein Mensch, der immer noch den Tod seiner Geliebten verarbeitet. Nimmt man beides zusammen, erscheint auch einsichtig, wieso die literarische Öffentlichkeit Shelleys Roman überwiegend ablehnte. Nicht nur, die genaue Beschreibung des körperlichen Verfalls dürfte schockiert haben, sondern zudem die Negierung jenes aufklärerischen Optimismus, der zu Beginn  des 19. Jahrhunderts alles möglich erscheinen ließ.

Was ist der Mensch?

Die Einsamkeit des letzten Menschen ist jedoch nicht nur der Urteilsspruch über die utopischen Wunschträume:

In its refusal to place humanity at the center of the universe, its questioning of our privileged position in relation to nature, then, The Last Man constitutes a profound and prophetic challenge to Western humanism.***

Die Verzweiflung des letzten Menschen angesichts seiner Verlassenheit offenbart sich vor allem auch in der antizipierten Nutzlosigkeit seines Tuns. Mehrfach reflektiert Verney über das Unglaubliche: Dass die Bäume weiterhin rauschen werden, wenn er, der letzte Mensch gegangen ist – und hinterfragt gleichzeitig den Sinn des menschlichen Daseins und dessen Bedeutung für die “Schöpfung”. Besonders eindrucksvoll wird dieses in einer der letzten Szenen des Romanes deutlich gemacht, als Verney glaubt, in einem Zimmer einen furchterregenden primitiven Menschen gefunden zu haben. Letztendlich erweist sich der Gegenüber jedoch als Spiegelbild. Die anschließenden Überlegungen, das eigene Äußere noch einmal auf das Niveau des Kulturmenschen zu bringen, bricht Verney jedoch ab: denn nur im Anderen erfüllt sich der Sinn der menschlichen Kultur und des menschlichen Daseins – also dem, dessen Shelley zum diesem Zeitpunkt ermangelte. Der Mensch, so kann man also feststellen, ist bei Shelley nur Mensch, wenn er eingebunden ist in eine menschliche Ordnung oder sich zumindest auf eine solche beziehen kann. Vielleicht ist das Ende auch so zu interpretieren, dass Verney, wenn er überhaupt Mensch bleiben will, weiterhin mit der Existenz anderer Menschen rechnen muss – auch wider besseren Wissens.

Fazit

Mary Shelleys dreibändiger Roman Verney, der letzte Mensch ist kein einfach zu lesendes Werk. Selbst in der wohl stark gekürzten – und gelungen wirkenden – Übersetzung von Ralph Tegtmeier muss sich der Leser durch einige Längen in der Handlung kämpfen, die vornehmlich im ersten Band zu finden sind. Im zweiten gewinnt die Handlung jedoch an Geschwindigkeit und wird zunehmend spannender. Hier beeindrucken die Schilderungen nicht nur sprachlich, sondern auch aufgrund der genauen Beobachtungen der Autorin. Dennoch lässt der berichtende Modus der Erzählung nur dort ein Eintauchen des heutigen Lesers in die Handlung zu, wo er zugunsten einer stärker szenisch orientierten Darstellungsweise aufgegeben wird. Das geschieht insgesamt leider zu selten. So viel Tiefe und literaturwissenschaftliche Bedeutsamkeit das Werk auch besitzen mag, kann man doch heute nicht umhin zu konstatieren, dass es tüchtig angestaubt wirkt.

2008 wurde der Roman übrigens unter dem Titel The Last Man verfilmt.

* Brian Aldiss, David Wingrove, Der Millionen Jahre Traum, Bergisch Gladbach, S.77.

** Olaf Brise, Angst in den Zeiten der Cholera, Über kulturelle Ursprünge des Bakteriums [Habil.], Berlin, 2003, S.232.

*** Karrie E. Lokke, The Last Man, S. 116, in: Esther Shor [Hg.], The Cambridge Companion to Mary Shelley, Cambridge, 2003, S.116-134.

Edgar Allan Poe: Die Unterhaltung von Eiros und Charmion

„Ich will kurz sein – kurz, wie der Untergang“: Mit seiner Erzählung Die Unterhaltung von Eiros und Charmion hat Poe 1839 ein höchst merkwürdiges Stück Literatur verfasst.

Im paradiesischen Jenseits empfängt Charmion nach der Apokalypse, die hier deshalb auch noch im biblischen Sinne „Ent-hüllung“ ist, Eiros mit seinem neuen Namen. Da sich letzterer nicht mehr an die Einzelheiten des Unterganges erinnern kann, schildert Charmion den Ablauf der Katastrophe: Die Entdeckung eine neuen Gaskometen* und dessen Auswirkungen auf die Atmosphäre des Planeten. Dann: Die anfängliche Gelassenheit der Menschen, weil die biblischen Texte den Untergang durch Feuer  – und nicht durch Gas prophezeiten. Die spätere höchst beunruhigende Entdeckung: Das in Experimenten bewiesene Ansteigen des Sauerstoffgehaltes. Dieser habe zu seltsamen Veränderungen im Verhalten der Menschen und merkwürdigen Erscheinungen in der Pflanzenwelt geführt. Das zwangsläufige Ende: Man habe gegen sein kochendes Blut und um Luft gerungen – bis sich durch den Einschlag des Himmelskörpers die Atmosphäre entzündet und so die biblische Prophezeiung erfüllt habe.

Die Schilderung der biblischen Endzeit in wissenschaftlicher Manier weist Poes Text als seltsamen Bastard aus, der sich zwischen religiöser und säkularer Apokalypse bewegt, wobei in der dialogischen Struktur die Qualitäten des Jenseits weitgehend Leerstelle bleiben können. Der Text repräsentiert in seiner wissenschaftlich rationalen Konzentration auf das ‘Wie’ des göttlichen Heilsplanes einen Übergang, den andere Autoren bzw. Autorinnen aber – wie z.B. Mary Shelley in Verney, der letzte Mensch – unter der Ausblendung des ‘Warum’ wenige Jahre zuvor viel radikaler vollzogen hatten. Die Verwendung zeitgenössischer wissenschaftlicher Theorien unter ästhetischen Gesichtspunkten weist jedoch schon den Weg zu all jenen apokalyptischen Science Fiction Büchern, die im Verlaufe des 19. und 20. Jahrhunderts noch kommen sollten. Der Zwitterhaftigkeit seines Wesens ist wohl auch die retrospektive Anlage geschuldet, welche hier auf die abenteuerliche Quest der Protagonisten zur Gänze verzichten, aber so das paradoxe Wagnis einer säkularen postapokalyptischen Rede vom Ende der Welt noch nicht eingehen muss. Poe liefert damit den esoterischen Prophezeiungen William Millers, die in den U.S.A. der 30er Jahren für Aufregung sorgten, einen wissenschaftlichen Rahmen, der seine schauerliche Wirkung auf so manchen Leser nicht verfehlt haben dürfte – auch wenn der heutige Rezipient eher mit Befremden und Stirnrunzeln reagiert.

* Die damalige wissenschaftliche Auffassung, dass Kometen gänzlich aus Gas bestehen, ist natürlich längst ad acta gelegt.

Thomas M. Disch: Camp Concentration

Der amerikanische Autor Thomas M. Disch lässt in seinem 1968 erschienenen Roman Camp Concentration die us-amerikanische Regierung Häftlinge mit neuartigen Syphiliserregern infizieren, um die damit einhergehende Intelligenzsteigerung der „Patienten“ zu messen – und den den Tod der unliebsamen Versuchspersonen in Kauf nehmen. Eine unvorstellbare Annahme des Autors – oder etwa doch nicht?

Versuche am verzweifelten Objekt

Disch verlegte 1968 bedrückenderweise die Versuche der amerikanischen Regierung in eine äußerst nahe Zukunft, in welcher nicht nur der ehemalige Außenminister der U.S.A. McNamara Präsident ist, sondern auch immer noch Krieg in Kleinasien – unter dem Einsatz von bakteriologischen Waffen geführt wird.  In Form von Tagebuchaufzeichnungen, die in zwei Teile zerfallen,  lässt er seinen Protagonisten und Kriegdienstverweigerer Louis Sacchetti, der sich plötzlich aus einem normalen Gefängnis in eine unterirdische Versuchseinrichtung verbracht sieht, die bedrückenden Geschehnisse schildern. Obwohl ihm zu Beginn mitgeteilt worden ist, dass er nur die Rolle eines Protokollanten habe, erfährt er nach einiger Zeit, dass er selbst mit der neuen Variante des Syphiliserregers, die zwar eine intelligenzsteigernde Wirkung hat, aber nach 8 Monaten mit Gewissheit zum Tode führt, infiziert worden ist. Minutiös beschreibt Louis, der nicht ganz frei von psychischen Problemen ist, die seltsame Konzentration der grotesk hochintelligenten und todkranken Patienten auf alchemistische Experimente, die letztendlich nur der Verschleierung eines geradezu wahnwitzigen Fluchtplanes dienen – und ihr Sterben.

Es kann jederzeit wieder geschehen

Dem ersten Roman Dischs ist deutlich anzumerken, dass er unbedingt ernst  genommen werden will. So wird nicht nur gleich zu Beginn auf Dostojevskijs berühmten „Vorläufer“ Aufzeichnungen aus einem toten Haus verwiesen, sondern es lassen sich auch später zahlreiche Bezüge zu Rilke, dem Faust-Motiv, Dantes Inferno und Miltons Paradise Lost finden. Die verschiedenen Charaktertypen, die sich unter dem Gefängnispersonal zu beobachten sind, werden recht genauer Studien unterzogen, und erinnern stark an verschiede Typen autoritärer Persönlichkeiten. Der Gefängnisdirektor selbst wird von der Hauptfigur des öfteren mit dem 1962 hingerichteten Adolf Eichmann verglichen, auf den er in seiner Gestaltung als bürokratischer Verwalter und letztendlich auch Mitinitiator des menschenverachtenden Verbrechens tatsächlich genauso verweist wie der Romantitel auf das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, in welchem unter der Regie Joseph Mengeles vornehmlich die Experimente an den KZ-Insassen durchgeführt wurden. Und auch dieser findet ein Gegenstück in Person der eiskalten Ärztin Aimée Busk. Die Figuren und ihr Zusammenspiel wirken insgesamt gelungen und können überzeugen – auch gerade weil es manchmal zu geradezu grotesken Situationen kommt. Die Botschaft bzw. Warnung des Romans ist äußerst deutlich geraten – nicht zuletzt aufgrund der zeitlichen Verortung  der Handlung: Menschenverachtende Experimente wie die in Nazi-Deutschland können auch von anderen Staaten unter gewissen Voraussetzungen durchgeführt werden – auch in den U.S.A.

Im zweiten Teil führt Disch nach – dem Tode der ersten Versuchsgruppe – den Wissenschaftler Skilliman mit seinen ergebenen Studenten ein, die den Virus freiwillig an sich testen lassen. Diese nutzt er nicht zuletzt, um die thematische Auseinandersetzung um die Frage, inwieweit Wissenschaftler für ihre Forschung Verantwortung übernehmen sollten, zu erweitern und somit eine der zentralen ethischen Diskussionen im Zeitalter der Neutronenbombe im Werk aufzugreifen. Das wirkt ein wenig zuviel des Guten. Abgesehen davon gerät die Figur Skillimans auch in ihrer tiefen Boshaftigkeit und überzogenen Menschenverachtung viel zu stereotp, selbst wenn Disch hiermit vorführen will, dass die Zukunft der Menschheit insgesamt durch wissenschaftliche Arbeit bedroht wird.

Es ist doch schon geschehen

Man muss nicht unbedingt auf den Wert eines Romanes als Gegenwartsanalyse oder Zukunftsprognose verweisen, um die  Qualität desselben zu begründen. Man kann es aber. So weist der Heyne Verlag auch richtig im Klappentext  der Ausgabe von Camp Concentration aus dem Jahre 1983 darauf hin, dass die literarische Fiktion Thomas M. Dischs schon von der Realität eingeholt worden sei – waren doch Anfang der 80er Jahre Versuche bekannt geworden, bei denen schwarze Amerikaner von Regierungsorganisationen zu Forschungszwecken vorsätzlich nicht gegen die Krankheit behandelt worden waren. Was der Verlag aber noch nicht wissen konnte, war, dass Camp Concentration die Realität noch viel genauer getroffen hatte als gedacht – denn nicht nur waren in den 60er Jahren Krankheiten unbehandelt geblieben, sondern in den 40ern Menschen von der CIA auch vorsätzlich mit Syphilis- und Trippererregern infiziert worden, um die Wirksamkeit von Penicillin zu testen [Quelle: U.S.A. bedauern Menschenversuche (04.10.2010)].

In der unterirdischen halbgelungenen Anlage

Die einfache Anlage des Romanes als Tagebuch – und somit als Protokoll des Verbrechens aus der Perspektive eines Opfers war Disch nicht genug – durch eine raffinierte technische Einrichtung können sowohl die hübsche eiskalte Ärztin, als auch der eigentlich ganz sympathische Gefängnisdirektor die Aufzeichnungen Louis ohne Zeitverzögerung lesen. Die Einträge geraten somit nicht nur zu einem Dialog des Protagonisten mit dem Leser und sich selbst, sondern zudem mit weiteren Figuren, die selbstverständlich auch direkt auf die Äußerungen der Hauptfigur reagieren, woraus sich nicht wenige amüsante (und boshafte) Momente ergeben.

Stilistisch überzeugen kann vor allen Dingen der erste, teilweise brilliant wirkende Abschnitt des Werkes. Mit der wachsenden Intelligenz verändern sich die Tagbuchaufzeichnungen Louis’, bis am Protagonisten, der in Wahnvorstellungen verfällt, zuletzt erste negative Konsequenzen der Infektion bemerkt werden können. So etwas lässt sich erzählerisch aber nicht lange durchhalten, soll der Leser das Buch nicht entnervt zur Seite legen. Disch hat sich hier dementsprechend auf einige wenige Seiten beschränkt – danach gesundet der Patient vorerst wieder. Nicht nur die Figur Skillimans, sondern auch die spätere Rettung der Gefangene ex machina und der wenig glaubwürdige Verfall des Protagonisten, der zwar auf der Krankenstation liegt, aber immer noch weiterschreibt (wie eigentlich?) lässt den zweiten Teil schwächer erscheinen.

Fazit

Der manchmal etwas bemüht wirkende Roman Camp Concentration ist trotz einiger Schwächen gegen Ende des Romanes wirklich lesenswert – nicht nur weil die Figuren und die Reflektionen des Ich-Erzählers überwiegend gelungen sind, sondern weil der Disch eine Tiefe der Darstellung und Analyse erreicht, die überzeugen kann – und dabei trotzdem auf groteske und humorvolle Momente nicht verzichtet.

Jack London: Die eiserne Ferse

Wenn sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen sie sich einen Stiefel vor, der in ein Gesicht tritt. Immer wieder. Mit diesen wenigen Worten beschwört Orwell in 1984 eindrucksvoll das entsetzliche Bild eines verewigten totalitären Staates, der bis in alle Ewigkeit das Individuum und dessen längst verlorenen Freiheiten mit Füßen tritt – und deshalb sind diese zwei Sätze auch zurecht berühmt geworden. Übersehen wird dabei jedoch oft, dass Orwell in seiner klassisch gewordenen Anti-Utopie damit auch auf einen berühmten Vorläufer des Genres rekurriert, in welchem sich das allegorische Bild des Stiefels, der über die Menschen hinwegschreitet, wohl zum ersten Male als Symbol eines in in die Zukunft projezierten Unterdrückungsstaates finden lässt. Zudem kann Orwells Werk auch als eine Antwort auf diesen Vorgängeaufgefasst werden, denn der wie Orwell vom Sozialismus stark beeinflusste Jack London beschreibt in seinem dystopischen Roman Die eiserne Ferse (The Iron Heel) aus dem Jahre 1907 die Entstehung eines kapitalistischen Unrechtsstaates in den U.S.A. der 20er Jahre – allerdings besitzt dieser ein Verfallsdatum.

Der Inhalt

Der durch einen fiktiven Herausgeber aus dem 26. Jahrhundert als autobiografisches Manuskript der Widerstandskämpferin Avis Everhard ausgewiesene Text setzt im Jahre 1912 mit der ersten Begegnung der Ich-Erzählerin und ihrem späteren Mann Ernst Everhard ein. Obwohl sie als Angehörige der Oberschicht zuerst von seinem proletarischen Äußeren und seinen sozialistischen Überzeugungen abgestoßen ist, verliebt sie sich wenig später in diesen hochintelligenten und rednerisch überaus begabten Anführer einer Sozialistengruppe, der nicht nur im Hause ihres interessierten Vaters, sondern auch bei jeder anderen Gelegenheit seine auf dem wissenschaftlichen Sozialismus fußenden politischen Überzeugungen verkündet. Dabei geht er in seiner Analyse des Bestehenden und der Prognose des Kommenden nie fehl: Avis und Ernst müssen erleben, wie die allmächtigen Konzerne von einer weitgehend verborgenen Kontrolle der Medien sowie des religiösen, kulturellen und politischen Lebens innerhalb weniger Jahre zur offenen Unterdrückung der Arbeiter bzw. der Bekämpfung der sozialistischen Bewegung übergehen. Durch die Einflussnahme der wirtschaftlichen Eliten verlieren Avis und ihr Vater nicht nur ihre gesellschaftliche Stellung, sondern auch ihren Besitz, so dass sie unter ärmlichen Verhältnissen leben müssen. Die von ihren Gegnern Eiserne Ferse genannte Oligarchie gelingt mittels Spitzeltums, terroristischen Aktionen unter falscher Flagge und dem Einsatz der Streitkräfte mehrfach, entweder die von der Arbeiterbewegung geplanten Aufstände ins Leere laufen zu lassen oder niederzuschagen. Auch Ernst, der wider besseren Wissens versucht, über legale Wege – d.h. die Wahlen – eine Veränderung herbeizuführen, wird ein fingierter Anschlag bei einer seiner Reden im Kongress zur Last gelegt, weshalb er und seine Frau auch einige Monate in den Untergrund gehen müssen, bevor sie sich mit falschen Identitäten als Geheimagenten der Eisernen Ferse wieder aus ihrem Versteck in einer Höhle wagen. Obwohl sie ihr Äußeres und ihre Persönlichkeit stark verändert haben, werden sie zuletzt von den Söldern der Eisernen Verse gefangen genommen. Da die von Avis in einem Baum versteckten Aufzeichnungen jedoch abbrechen, ist am Ende nicht ersichtlich, wie genau die Verhaftung und die Hinrichtung der beiden, die wenig zuvor das umfassend beschriebene “Blutbad von Chikago” überleben haben, vor sich gegangen sind – sehr zum Leidwesen des fiktiven Herausgebers, der immer wieder mit Fußnoten das Geschehen erläutert und kommentiert.

Die Geschichte auf dem Wege zu sich selber, oder: Marx für Anfänger

Der von London beschriebene und vom unerträglich unfehlbaren Ernst prognostizierte Verlauf der Ereignisse folgt bis ins letzte der von Karl Marx entworfenen Entwicklung der gesellschaftlichen Klassen. Dabei wird trotz der Übermacht der Eisernen Ferse, d.h. der ‘Bourgoisie’, der letztendliche Sieg der ‘Proletarier’ durch die Herausgeberfiktion deutlich gemacht. Ziel des Romans ist es letztendlich, dem Leser die Grundlagen der kommunistischen Theorie unterhaltsam anhand konkreter Beispiele – die zuvor theoretisch von Ernst Everhard beschrieben wurden, zu vermitteln. Aus diesem Grunde machen die Ausführungen der zweiten Hauptfigur auch den Großteil der ersten Hälfte des Romanes aus. Der marxistische Prophet wird im ersten Teil so nicht nur zum Stichwortgeber der plangemäß verlaufenden Weltgeschichte, sondern auch der Romanhandlung selbst, die außer den ideologischen Ausführungen selbst und der illustrativen Ereignisse wenig zu bieten hat. Wenn Jack London nicht so gut schreiben könnte wie er kann, gerieten diese ersten 150 Seiten mit Sicherheit unerträglich.

Gegen den Ablauf der Ereignisse und den Auffassungen, die dem Werk zu Grunde liegen, lassen sich dementsprechend auch alle jene Argumente anbringen, die sich auch gegen die kommunistische Lehre selbst ins Feld führen lassen: Die monokausalen Erklärungen (Weltgeschichte als Klassenkampf – selbst der antizipierte Krieg mit dem deutschen Reich wird auf der Basis der marxschen Mehrwehrttheorie als ein Kampf um Absatzmärkte bzw. als Kampf zweier kapitalistischer Konkurrenten erklärt), die verschwörungstheoretischen Elemente (die gesellschaftlichen Institutionen arbeiten schon vor der offenen Herrschaft der Eisernen Ferse in einer Art und Weise zusammen, dass man den Eindruck erhält, sie würden von einer zentralen Instanz gelenkt) – und so weiter und so weiter…

Aber zurück zur Literatur selbst. Während der erste Teil also überwiegend der Vermittlung des Überbaus der Zukunft dient, führt hingegen der zweite Teil die Brutalität der tyrannischen Kapitalisten und ihrer Schergen sowie die Heldenhaftigkeit der unterlegenen Arbeiter vor Augen:

So erhielt ich meine Bluttaufe im Schlachthaus von Chikago. Früher war der Tod für mich Theorie, seit er aber eine einfache Tatsache wurde, ist er so leicht. Aber die Söldner gaben sich nicht mit dem Erreichten zufrieden. Sie drängten sich in den Hauseingang, töteten die Verwundeten und suchten die Unverwundeten, die sich gleich uns tot stellten. Ich erinnere mich an einen Mann, den sie aus dem Haufen herauszogen und der verächtlich flehte, bis eine Revolverkugel ihn niederstreckte. Hinter dem Haufen verteidigte sich eine Frau, höhnend und schießend.

Auffällig ist hier nicht nur die Vordergründigkeit der bluttriefenden Bilder, die für einen Roman von 1907 insgesamt bemerkenswert sind, sondern auch die die Abfälligkeit, mit der das nichtorganisierte Lumpenproletariat, das hier als Volk des Abrundes bezeichnet wird, sprachgewaltig, aber von oben herab, beschrieben wird:

Es erhob sich über jede Einbildung hinaus zu körperlichen Wogen des Zorns, knurrend und murrend, fleischfressend, trunken vom Schnaps aus geplünderten Läden, trunken von Hass und trunken von Blutgier – Männer, Frauen und Kinder, zerfetzt und zerlumpt, blöde, wilde Tiere, von deren Zügen alles Göttliche [!] gewichen und Teuflischem Platz gemacht, Affen und Tiger, blutarme, schwindsüchtige, langhaarige Lasttiere, bleiche Gesichter, denen der Vampir Gesellschaft alle Lebenskraft ausgesogen hatte. Aufgedunsene von Roheit und Verkommenheit strotzende Gestalten, verwirrte Hexen und Totenköpfe mit Patriarchenbärten… und so weiter und so weiter…

Einen Lichtblick stellen die zwar vom fiktiven Herausgeber ernstgemeinten, aber aus der Perspektive des 20. Jahrhunderts durchaus witzigen Kommentare und die geschickte Anlage des Romans dar, allerdings fallen diese angesichts  der unbeugsamen, nicht korrumpierbaren, nahezu nie fehlgehenden Everhards (nomen est omen) bei der Bewertung des Romanes kaum ins Gewicht – zumal die Mehrzahl der übrigen Figuren unter ideologischen Gesichtspunkten und nach ‘Klassenzugehörigkeit’ – häufig stereotyp – gezeichnet wird. Dass aus heutiger Perspektive zudem die zentralen Aussagen des Romans insofern problematisch sein dürften, als dass nicht nur das sichere Kommen des sozialistischen Weltstaates prophezeit, sondern auch die Auffassung vertreten wird, dieser sei nur durch eine blutige Arbeiterrevolte im Zeitalter der “bürgerlichen” Demokratie  zu erreichen, steht dabei noch auf einem ganz anderen, historischen und ideologischen,  Blatt.

Fazit

Letzten Endes erweist sich Die eiseren Ferse, die nach Ansicht Erich Fromms die ersten aller Dystopie überhaupt darstellt*, als “linientreuer” marxistischer Zukunftsroman, der heute für jene Leser, die an der Theorie des sogenannten wissenschaftlichen Sozialismus nicht interessiert sind, nur durch den sprachlichen Stil Jack Londons überhaupt und die wenigstens manchmal spannend geratenen Abenteuer der Everhards erträglich werden dürfte.

*Fromm, Erich: 1984 (Nachwort), New American Library, 1977, Seite 316.

Thomas M. Disch: Angoulême (334)

In seinem 1972 erschienenen Roman 334 beschreibt der amerikanische Autor Thomas M. Disch  anhand des Alltagslebens einer Handvoll von Figuren das Leben in einem dystopischen New York der Jahres 2021 bis 2025. Auch wenn die zahlreichen Protagonisten des Werkes durch familäre Beziehungen miteinander verbunden sind, bildet die ärmliche Wohneinheit 334, in der 11. Straße den eigentlichen strukturellen Mittelpunkt des Werkes, dem zu entkommen entweder den Figuren gelingt oder zu dem sie letztendlich wieder zurückkehren. Gleichzeitig verweist er – Binnenerzählungen machen dieses deutlich – auf das Jahr 334 n. Christus und somit auf den „Verfall“ des Römischen Imperiums. Insofern kann auch die Entscheidung des Heyne Verlages, den Roman unter dem deutschen Titel Angoulême erscheinen zu lassen, womit auf die ursprüngliche Bezeichnung der Bucht von New York durch Verazzano verwiesen wird, nicht überzeugen – selbst wenn die urspüngliche Erzählung, die dem Roman zugrunde liegt und die 1974 mit dem Nebula Award ausgezeichnet wurde, einmal auch unter dieser Bezeichnung publiziert wurde.

Gesellschaftsstudie am Ende der Spannungskurve

Mit 334 hat Disch einen Roman verfasst, der in vieler Hinsicht eine Herausforderung an den Leser darstellt: Der Autor entfaltet in einem auktorial erzählten kaleidoskopartigen Blick die amerikanische Gesellschaft der Zukunft anhand der Familie Hanson, die vornehmlich aus Sozialhilfeempfängern, Prostituierten und Gelegenheitsarbeitern besteht. Auch wenn die einzelnen Handlungsfäden, die der Leser nicht immer auf Anhieb miteinander in Verbindung bringen kann, hier und da wieder miteinander verflochten werden, fehlt ein durchgängiger Handlungsstrang und somit auch eine durchgängige Handlungskurve, was 334 den Charakter einer Gesellschaftsstudie, die streckenweise übrigens durchaus unter Längen leidet, verleiht. Dazu trägt auch die nichtchronlogische Anordnung der einzelnen, gegen Ende des Werke manchmal nur wenige Zeilen langen, Abschnitte bei. Die deprimierende Welt der Zukunft entfaltet sich durch dieses Verfahren jedoch in einer geradezu verblüffend eindringlichen Art und Weise, zumal der Aufbau der Gesellschaft in ihrer Anlage von den Figuren akzeptiert und kaum Stelle in Frage gestellt wird. 1978 wurde 334 von David Pringle zu den besten 100 Science Fiction Romanen seit 1945 gerechnet, was angesichts der Tiefe der der Darstellung mit Sicherheit richtig ist – der Roman ist einer jener Belege für den sozialen Shift in der Science Fiction Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre, der im Rahmen des New Wave das Genre revolutionierte. Unter ästhetischen Gesichtspunkten jedoch erscheint mir der Aufbau des Romanes wenig überzeugend – insgesamt fehlt es an einem Konzept, das die einzelnen Teile, die vor allem am Anfang wirken, als wären sie eigenständige Erzählungen bzw. Kurzgeschichten, strukturell miteinander jenseits des Inhaltes selbst (Wohneinheit 334Familie Hanson) verklammert, zumal der Text am Ende ins Anekdotenhafte zerfasert – ob die Bezeichnung ‘Roman’ hier überhaupt noch trifft, ist meiner Ansicht nach fraglich.

Das Gesellschaftspuzzle

Wie in dystopischen Romanen so häufig, ist die Familienplanung und die gesellschaftliche Reproduktion durch den Staat, über dessen Aufbau der Roman keine weiteren Angaben macht, stark reglementiert und überwacht. So muss gleich zu Beginn der junge Birdie alles daran setzten, 25 Punkte auf jener Skala zu erreichen, die über den Fortgang des eigenen Lebens entscheidet – in seinem Falle darüber, ob er die Stewardess Milly Hanson heiraten darf – denn aufgrund des Lebenswandels und der Diabetes seines Vaters wurde er abgewertet, weshalb er auch keine Kinder mehr (künstlich) zeugen darf. Weder erreicht er jedoch die benötigt Punktzahl durch einen Wiederholung der Tests noch durch den Besuch des Colleges. Selbst die Veröffentlichung eines Essays über ein von ihm gewähltes Thema bringt ihn noch nicht an sein Ziel, so dass er sich gezwungen sieht,  in die Streitkräfte einzutreten, um auch noch den letzten benötigten Punkt zu erhalten. Besonders deprimierend ist, dass Birdie tatsächlich kein Ziel und keine Motivation jenseits seiner Liebe zu Milly besitzt – womit die charakterliche Einschätzung durch die Regierungskommissionen wenigstens in gewisser Hinsicht durchaus richtig zu sein scheint.

Mit der wenig überlegten Entscheidung, in den Krieg zu ziehen, verschwindet Birdie auch schon aus dem Roman, zumal seine Angebetete, für die er so viel getan hat, Boz heiratet. Da sich die Handlung nun hauptsächlich auf die Figuren der Familie Hanson konzentriert, erfährt der Leser nicht mehr, was Birdie in Asien erleben könnte – auch wenn es durchaus Andeutungen gibt: „Das hättest du sehen sollen. Das war wirklich grausam. Sie machten alle kalt.“ „Wer?“ „Die erste Kompanie“, Mickey nahm Haltung an und salutierte. Jungen in seinem Alter (sechs) wollten immer Gorillas oder Feuerwehrleute sein. Mit zehn waren es Popsänger. Mit vierzehn, wenn sie helle waren (und irgendwie waren alle Hensons helle), wollten sie schreiben. Boz hatte noch immer ein ganzes Heft voller Anzeigen und Werbetexte, die er während der Schulzeit verfasst hatte. Und dann, mit zwanzig? Lieber nicht darüber nachdenken. „Sie taten dir nicht leid?“ fragte Boz. „Leid? Wer?“ „Nun die Kinder in dieser Schule.“ „Sie waren Aufständische“, erläuterte Mickey. „Es war in Pakistan, glaube ich.“

Bei der Darstellung der prekären sozialen Verhältnisse und zwischenmenschlichen Beziehungen sind es nicht die vordergründigen Beschreibungen, die auf den Leser am stärksten wirken. Es ist das Gesamtbild, das sich beim Puzzeln mit den einzelnen Teilen ergibt; es sind die kleinen Hinweise zwischen den Zeilen, die das düstere Bild der Zukunft am stärksten zeichnen – hier bespielsweise die Tatsache, dass das kreative Schreiben von Boz auf die Produktion von Slogans reduziert wird.

Auch sprachlich hebt sich der Roman von vielen anderen Werken ab.  Wie schon in  Camp Concentration lassen sich Perlen von Sätzen finden: Chapel studierte das wortlose Kreuzworträtsel des Fliesenbodens. Manchmal sind diese allerdings nicht ganz flüssig zu lesen – aber angesichts der Zwischentöne ist es sowieso ratsam, hier und da ein zweites Mal genauer hinzuschauen.

Fazit

Mit 334 hat Thomas M. Disch eine beeindruckende Sozialstudie über das Prekariat der Zukunft verfasst, die auch aktueller Bezüge nicht entbehrt, allerdings einige Schwächen im Aufbau aufweist. Man muss sich für sie Zeit nehmen und auch bereit sein, auf eine „spannende“ Handlung im herkömmlichen Sinne zu verzichten – dieses entlohnt sie aber mit der Tiefe der Darstellung und einem hervorragenden sprachlichen Stil.

Marcel René Klapschus: Der rote Ozean

In seinem im Februar 2011 erschienenen Roman Der rote Ozean nimmt sich der 1986 geborene Nachwuchsautor Marcel René Klapschus auf ungewöhnliche Weise eines wichtigen Themas an: Dem traditionsreichen Konflikt zwischen Abend- und Morgenland bzw. Christentum und Islam.

Ungewöhnlich ist dieser stark mit biblischen Anspielungen arbeitende Roman zum einen wegen des häufigen und unvermittelten Einbruchs phantastischer Elemente in die fiktive Welt des Jahre 2027 bis 2030. So erscheint nicht nur auf einem Jerusalemer Markt ein Riese, der kurz darauf durch eine Bombenexplosion getötet wird, sondern nach einem Atombombenabwurf auf Beirut auch dem Protagonisten Brian ein rätselhaftes Wesen in Gestalt eines kleinen Mädchens, das sich nach und nach als Engel der Hoffnung entpuppt. Es ist nicht nur die nach Aussagen des Autors in seinem Nachwort auf japanische Einflüsse zurückgehende Vermischung phantastischen und relistischen Erzählens, die den „Leser […] auf eine harte Probe stellt„, sondern vor allem das Fehlen eines erzähltechnischen Verfahrens, das dem Leser eine Akzeptanz des Präsentierten ermöglichen würde. Eines solchen bedienen sich aber auch die japanischen Autoren durchaus: So bereitet selbst Murakami1Q84 über 500 Seiten jenen grotesken Moment vor, in dem durch einen Riss das Phantastische Einzug in die uns bekannten Welt hält und zelebriert ihn in Aufbau und Erzählsituation. So fällt es dem Leser auch schwer, anzunehmen, was er mit dem zum Waisenkind gewordenen Brian nach dessen Rettung durch amerikanische Truppen in den U.S.A. erfahren muss: Dass Millionen Menschen durch die roten Fluten gestorben sind, dass der Ozeanspiegel immer weiter ansteigt, dass die Substanz jenes roten Wassers die gleiche wie die des durch den Bombenanschlag getöteten Riesen ist, dass der Riese Christus war, dass die neugebildete Christliche Föderation schon wenige Stunden nach der Nuklearexplosion in Beirut unter amerikanischer Führung der Islamischen Union den Krieg erklärt hat, dass deutsch-israelische Truppen in Syrien kämpfen, dass der Putsch eines Baptistenpredigers in den U.S.A. erfolgreich gewesen ist und dass die U.S.A., wie er sie kennt, nicht mehr existiert.

Als wäre dies nicht schon Anlass genug für die meisten Leser, das Buch zur Seite legen, reihen sich inhaltlich Fragwürdiges und logisch Widersprüchliches aneinander. So liegt der Protagonist, der nach und nach als Erlöserfigur  präsentiert wird, am 25. August schon „drei volle Tage“ nach dem Bombenanschlag auf seine Person vom 22. August im Militärkrankenhaus seiner Basis, macht sich aber am 26. August besorgt Gedanken darüber, dass die Islamische Union nach dem gescheiterten Attentatsversuch vor zwei Tagen nicht aufgeben werde. Ob er bei diesem Anschlag oder schon in Beirut oder irgendwann anders in Erfüllung seines Dienstes auch jenes Bein verloren hat, das gegen Ende des Romanes plötzlich von einer Prothese vertreten wird, erfährt der Leser nicht. Zu den beiden besprochenen Ungereimtheiten gesellen sich auf 220 Seiten leider noch zahlreiche andere, die Anja Helmers in ihrer Rezension von Der rote Ozean  schon ausführlich besprochen hat, so dass man hier davon absehen kann, noch einmal das Gleiche zu tun.

Obwohl der eigentlich auktorial erzählte Roman über weite Strecken aus der Perspektive des Protagonisten erzählt wird, gelingt es dem Leser nicht, einen Zugang zur Hauptfigur  zu finden. Der 16-jährige Brian Mallouf scheint in seiner Wahrnehmung ziemlich beschränkt, denn immerhin nimmt er angeblich noch nicht einmal wahr, dass er in den amerikanischen Medien (aus nicht nachvollziehbaren Gründen) zum Messias stilisiert wird. Auch die mehrfache Erscheinung eines übernatürlichen Wesens vermag ihn nicht zu erleuchten (man muss ihm aber zugute halten, dass hier die Engel reden, wie Engel eben reden:  kryptisch). Tatsächlich ist eine charakterliche Entwicklung der humorlosen Figur über den dreijährigen Handlungszeitraum, in welchem die Welt nach und nach in Schutt und Asche bzw. roten Fluten versinkt, kaum zu erkennen: Genauso passiv wie er am Anfang des Romanes erscheint, als ihn die rätselhafte Khayra auf einer Hochzeit in Beirut auffordert, wirkt er nahezu bis zum Ende des Romanes. Erst auf den letzten Seiten innerhalb der Arche entwickelt er so etwas wie Initiative – die allerdings ganz dem starken moralischen Impetus des Werkes entspricht. Wie der Leser ohne Hilfestellung die Prämissen des Romanes hinnehmen muss, stellt sich Brian also bereitwillig überall dorthin, wo ihn das Schicksal oder seine Vorgesetzten haben sehen wollen – nur seiner kosmische Aufgabe scheint sich (anfangs) nicht fügen zu wollen oder zu können. Zudem scheint er – abgesehen von einigen ritualisierten Gewissensbissen hinsichtlich des Todes eines Kameraden und eines irrtümlich erschossenen Familienvaters – auch ein ziemlich oberflächlichen Charakter zu sein. Schon aufgrund dieser Wesenszüge war es mir als Leser schlechthin nicht möglich, die Figur von Brian als angeblichen Retter der Welt innerhalb der Fiktion des Romanes, der in geradezu haarsträubender Weise endet, zu akzeptieren. In der Folge kann sich der Leser auch nicht an der ganzen Reihe spannender Momente erfreuen, mit denen Klapschus‘ Roman durchaus aufwartet, die aber leider allzu oft von wenig überzeugenden Dialogen bzw. den wenig tiefgängigen Feststellungen der Hauptfigur, die man kaum als Reflektionen bezeichnen kann, unterbrochen werden. Die Sprache des Romanes ist im Übrigen mit dem Adjektiv ‘schlicht’ treffend beschrieben – was hier aber keinen Mangel, sondern eine Eigenschaft bezeichnen soll.

Als besonders störend empfand ich persönlich die Vordergründigkeit der moralischen Botschaft des Romanes in Verbindung mit den zahlreichen biblischen bzw. christlichen Motiven, zumal der Plot selbst der Komplexität von kulturellen bzw. religiösen Konflikten, die hier in ihrer Ursache auf  ‘Vorurteile’ und ‘Rache’ reduziert erscheinen, nicht gerecht wird.

Fazit

Marcel René Klapschus’ zu vordergründiger Roman Der rote Ozean, der sich in oberflächlicher Weise eines interessanten und wichtigen Themas annimmt, bereitet trotz  spannender Momente aufgrund zahlreicher Schwächen wenig Lesespaß – selbst wenn man sich zwingen kann, die Prämissen des Plots zu akzeptieren.

Marcel Theroux: Weit im Norden

In seinem postapokalyptischer Roman Weit im Norden, der diesen Monat bei Heyne erschienen ist, erzählt Marcel Theroux nicht nur von der deprimierend dunklen Zeit nach einer Klimakatastrophe, sondern hinterfragt auch die Chancen des Menschen auf einen besseren Neuanfang.

Schon auf den ersten Seiten des Romanes begegnet der Leser neben einem, zugegeben, recht eigenwilligen Setting bedrückenden Bildern: Als letzte Überlebende amerikanischer Aussteiger reitet Constable Makepeace Hatfield durch die verschneiten Straßen der sibirischen Stadt Evangeline. In zahlreichen Rückblenden erzählt die Ich-Erzählerin, wie der Versuch ihrer Eltern, schon vor dem Ende der alten eine neue Welt in den menschenleeren Weiten Russlands aufzubauen, an den Wirren der Zeit und dem Wesen des Menschen gescheitert ist. Nur kurz wird die an Körper und Seele verletzte Protagonistin durch einen anderen Menschen von ihrer Einsamkeit erlöst, bevor sie sich in ihrer Verzweiflung an das letzte Stückchen Hoffnung klammert und sich auf die Suche nach einer vermeintlich besseren Welt macht – obwohl sie in ihrem Innersten weiß, dass diese längst mit der Katastrophe untergegangen ist. So findet sie in den Weiten Asiens am Rande des Highways auch nicht die ersehnte Stadt, sondern ein Arbeitslager, Sklavenarbeit, eine tote Zone und zuletzt die deprimierende Bestätigung ihrer Auffassung, dass ihre Eltern mit ihren Ansichten über das Wesen des Menschen grundsätzlich falsch lagen.

Obwohl Weit im Norden zusammen mit Cormac McCarthys The Road einer der wenigen postapokalyptischen Romane der letzten Jahre ist, die von einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen wurden, können diese nicht gut miteinander verglichen werden. Zwar beziehen beide Werke einen Großteil ihrer bedrückende Atmosphäre aus dem gnadenlosen Umgang der Menschen miteinander, doch wo Die Straße die Handlung mit Bildern einer entsetzlich entstellten Umwelt untermalt und in der bedingungslosen Liebe eines Vaters zu seinem Sohn konterkariert, verlässt sich Theroux vornehmlich auf die Wirkung seiner traumatisierten einsamen Hauptfigur und ihre düsteren Gedankengänge. Das kann nur gelingen, wenn diese vielschichtig angelegt ist. Dementsprechend interessant hat Theroux seine Protagonistin, deren Geschichte der Leser nach und nach erfährt, auch gestaltet. Sie macht die Geschichte erst lesenswert. In der Schilderung ihrer Erlebnisse, die aufgrund der vom Verlag überraschend gewählten Schriftgröße  beeindruckende 420 anstatt realistische 200 Seiten umfasst, reiht die Erzählerin dementsprechend die wichtigsten und prägendsten Ereignisse eines 6-jährigen Kampfes um einen Lebenssinn als Kette spannender und bedrückender Momente in einer auseinander gebrochenen Welt aneinander.

Aber nicht nur die Hauptfigur hat Theroux vielschichtig angelegt, auch die anderen Figuren sind alles andere als Stereotypen – jenseits der bekannten literarischen Schwarz-Weiß-Malerei versuchen die Figuren ihr wahres Wesen zu verschleiern, das in seinem Innersten nicht auf gut und böse vom Autor reduziert wird – zumal hier der Mensch im Kampf ums Überleben zu nahezu allem bereit zu sein scheint. Insofern ist der Roman  nicht nur die Geschichte einer Suche nach einem besseren Leben, sondern auch nach der Natur des Menschen, die sich in Extremsituationen offenbart.

Dabei überrascht auch immer wieder angenehm die Handlung, die zahlreiche Wendungen nimmt. Jenseits des bekannten Handlungsmusters der Quest  kommt keine Langeweile auf. Gelungen erscheint dabei Theroux’ Umgang mit den bekannten Motiven des Genres. Zwar begegnen dem Leser Sklaven- bzw. Arbeitslager wie in Robbie Macauleys Dunkel kommt die Zukunft, doch erscheinen diese durch die Augen der Protagonisten nicht als Inbegriff des Schreckens, sondern als eine Form möglichen Überlebens – und davon führt der Autor eine ganze Reihe vor. Auch die Variation des – nennen wir es nach Metro 2033 einmal so –  „Stalker“-Motivs ist nicht uninteressant, welches hier vor allem dazu dient, den geringen Wert menschlichen Lebens in einer Welt, in der nur noch das eigene Überleben zählt, zu demonstrieren. Dass dabei die Beschreibung einer zur „Zone“ erklärten rätselhaften Stadt nicht zu den Beeindruckendsten gehört, ist zu verschmerzen.

Fazit

Weit im Norden ist ein durchaus spannender Roman, der sich jenseits seines postapokalyptischen Abenteuers in interessanter Weise mit der wichtigen Frage, ob das Wesen des Menschen überhaupt eine bessere Welt möglich macht, auf mehreren Ebenen auseinandersetzt. Mit Sicherheit zählt Theroux’ Werk auch aufgrund seiner mehrdimensionalen Figurengestaltung und den manchmal wirklich überraschenden Wendungen, welche die Handlung nimmt, zu den besseren Romanen des Genres.