John Wyndham: Die Triffids

Wenn ein Tag, von dem man eigentlich weiß, es ist ein Mittwoch, sich von Anfang an so anhört wie ein Sonntag, ist irgend etwas faul. Und wenn Romane, in diesem Falle Die Triffids von John Wyndham, mit einem Satz wie diesem beginnen, dann steigen merklich die Erwartungen. Manchmal mögen sie im Verlaufe der weiteren Lektüre noch enttäuscht werden – aber nicht in diesem Falle, denn nicht umsonst gehört das 1951 erschienene Werk zu den Klassikern der Science-Fiction-Literatur.

Ein einzigartiges Schauspiel bietet sich den atemlosen Bewohnern unseres Planeten: Während die Erde auf ihrer Bahn einen Meteoritenschweif kreuzt, verglühen weltweit abertausende von Meteoriten spektakulär in der Atmosphäre. Und mit den frisch operierten Augen des Ich-Erzählers William Mason, welcher dem Verhängnis aus dem Kosmos nur aufgrund einer medizinischen Behandlung entgeht, blickt der Leser am Tag darauf in eine Welt, die für die meisten Menschen sehr finster geworden ist – denn alle Schaulustigen sind erblindet. Durch das Ausmaß der Katstrophe brechen augenblicklich sämtliche Strukturen der Gesellschaft zusammen – und die Sehenden werden zu einer begehrten Beute der Verzweifelten und Hungernden, die ihr Augenlicht verloren haben.

Als Gedankenspiel umreißt Wyndham glaubwürdig – wenn auch wenig tiefgehend – einige mögliche Gesellschaftsformen, die aus dem Chaos in Groß Britannien hervorgehen und auch wieder untergehen könnten. Und da diese alle mehr oder weniger miteinander um die wenigen Ressoucen und die Nicht-Erblindeten kämpfen müssen, kommt es zu zahlreichen spannenden Situationen, zumal der Hauptgegner nicht menschlich, sondern pflanzlich ist. Denn eine erst seit wenigen Jahren zur Ölgewinnung kultivierte und ziemlich rätselhafte Pflanzenart, die aufgrund ihres Aussehens und ihrer Fähigkeit zur Fortbewegung Triffid genannt wird, macht regelrecht Jagd auf die immer kleiner werdende Zahl der Überlebenden. Und letztere brauchen einige Zeit, um zu realisieren, dass nicht nur die Zivilisation aufgrund des Zusammenbruchs der Gesellschaft bedroht ist, sondern auch das Überleben der Menschheit durch den neuen Gegner insgesamt.

Auf den ersten Blick mögen beide Szenarien – und zudem ihr verhängnisvolles Zusammentreffen – als Idee für eine Romanhandlung wenig tragfähig erscheinen. Doch Wyndhams verschafft seinen kreativen Einfällen genügend Glaubwürdigkeit durch das Rätselraten der Protagonisten um die Herkunft der Triffids und die Ursache der Erblindungen. So vermuten einige der Figuren nicht nur, dass die gefährlichen Triffids aus Laboren hinter dem Eisernen Vorhang stammen, sondern auch, dass die Ursache der Erblindung im Einsatz einer im Zuge des Kalten Krieges entwickelten Satellitenwaffe ist. Insofern warnt Wyndhams apokalyptischer Roman sowohl vor der Hybris menschlichen Forscherdranges als auch geradezu prophetisch vor den Gefahren eines ungebremsten Rüstungswettlaufes zwischen NATO und Warschauer Pakt. Welche visionäre Weitsicht der Science-Fiction-Schriftsteller Wydnham dabei bewiesen hat, wird vor allem deutlich, wenn man berücksichtigt, dass der erste in die Erdumlaufbahn geschossene Satellit erst am 4. 10. 1957 – also 6 Jahre nach Erscheinen des Romans – durch sein kommunistischens Piepsen die amerikanische Bevölkerung begann in Panik zu versetzen.

So spannend der Roman auch ist und so gut mir der hervorragende sprachliche Stil des Autors gefallen hat, einige kleine Schwachstellen hat der Roman meiner Einschätzung  nach durchaus: Zum einen empfinde ich persönlich das Ende als ziemlich unbefriedigend und zum anderen bleibt mir der zu wenig Tiefe aufweisende Charakter des Protagonisten – obwohl letzterer als Ich-Erzähler die Ereignisse über 260 Seiten lang schildert  – seltsam fremd.

Fazit

Wyndhams Roman Die Triffids verdient es zu recht, als Klassiker der Science Fiction Literatur bezeichnet zu werden. Der spannende Roman, dem man sein Alter durchaus anmerkt,  ist unbedingt eine Lektüre wert!

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