J. L. Bourne: Tagebuch der Apokalypse 2

Es ist mir schon wieder passiert: Mit J. L. Bournes Tagebuch der Apokalypse hatte im März den Einstieg in die Zombie-Apokalypse gewagt und den Roman geradezu verschlungen. Und nun ist mir mit dem Sequel Tagebuch der Apokalypse 2 das Gleiche passiert – auch wenn dieses hinter seinem Vorgänger in einigen Bereichen zurückbleibt.

Nachdem es gegen Ende des ersten Teiles den Bewohnern der von ihnen liebevoll Hotel 23 genannten Raketenbasis gelungen ist, den Angriff einer Bande zurückzuschlagen, droht nun neue Gefahr: Reste us-amerikanischen Miltärs wollen sich der Basis bemächtigen – allerdings schlägt ihnen der fahnenflüchtige Tagebuchschreiber ein Schnippchen, sodass er nicht nur den Oberbefehl über die Truppen in der Umgebung übernimmt, sondern auch die Verantwortung für gut 100 weiterere Überlebende. Damit stellt er sich allerdings auch in den Dienst des vor der Küste auf einem Flugzeugträger logierenden Oberkommandos der noch existierenden amerikanischen Streitkäfte. Deshalb gilt es einige gefährliche Missionen zu meistern: Nun muss er nicht nur die Besatzung eines vor der Küste in Seenot geratenen Schiffes retten, sondern auch die Versorgung von Hotel 23  mit Wasser und Treibstoff sicherstellen. Als jedoch der Hubschrauber des Protagonisten hunderte Kilometern von der Basis entfernt abstürzt und er als einziger überlebt, sieht er sich der beinahe unmöglichen Aufgabe gegenüber, weite von gefräßigen und zunehmend intelligenteren Untoten bevölkerte Landstriche zu durchqueren, um wieder nach Hause zu gelangen. Dabei wird ihm jedoch rätselhafterweise Unterstützung von einer unbekannten Seite zuteil, die einen höchst egoistischen und höchst perfiden Plan verfolgt…

Zumindest mit Blick auf die Seitenzahl übertrifft der zweite Teil den ersten, ist dieser doch mit gut 440 Seiten beinahe um ein Drittel länger geraten. Das resultiert nicht zuletzt aus einem veränderten Erzählstil: Denn bei der Schilderung der Vorgänge nähert sich das Werk zunehmend konventionellen literarischen Erzählen an, wobei es den Charakter des Tagebuches aber noch behält. Deutlich wird dieses nicht nur an der Länge der einzelnen Einträge des Protagonisten und Ich-Erzählers, sondern ist symptomatisch auch an der Verwendung des Tempus zu erkennen. Während im ersten Teil vorwiegend die im Präsens gehaltenen Reflektionen des Protagonisten angesichts seiner erschreckenden Lage im Vordergrund stehen, dominieren im zweiten die im konventionellen epischen Präteritum gehaltenen Erzählungen ex post. Dabei haben die Schilderungen des Tagebuchschreibers auch stark an Detailreichtum gewonnen – während sie im ersten Teil aufgrund der äußerst knappen Darstellung und des elliptischen Stiles durchaus den Eindruck erwecken konnten, die aus dem Gedächtnis wiedergegebenen Erlebnisse des Protagonisten zu sein, ist dieses im zweiten Teil kaum noch der Fall. Nur Hin und wieder wird die tageweise Erzählung des Ich-Erzählers noch durch Folgen von Einträgen unterbrochen, die – wie im ersten Teil – viel stärker das Gefühl der Unmittelbarkeit und allgegenwärtigen Bedrohung aufkommen lassen.

Leider ist vom Humor, welcher den ersten Teil so lesenswert macht, im zweiten Teil nicht mehr viel zu spüren. Nur hin und wieder blitzt er zwischen den Zeilen auf – und das ist äußerst schade. Vielleicht hat dieses aber auch mit der charakterlichen Entwicklung des Erzählers zu tun: Schon gegen Ende des ersten Teiles ist zu bemerken, dass dieser angesichts der für seine Mitmenschen übernommenen Verantwortung wächst. Im zweiten Teil findet diese Entwicklung nun mit der Übernahme des Oberbefehles über mehrere Dutzend Soldaten und der Sorge um gut 100 Menschen sozusagen einen Abschluss.

Im Bereich der Spannung zieht der zweite mit dem ersten Teil allerdings gleich – ich zumindest konnte den Roman, nachdem ich eigentlich nur einmal „kurz“ hinein lesen wollte, bis zur letzten Seite nicht mehr aus den Händen legen. Toll!

Fazit

Das Tagebuch der Apokalypse 2 lässt leider einiges davon vermissen, was den ersten Teil so lesenswert gemacht hat – das gilt aber nicht für die spannende Handlung. Wer den ersten Teil gelesen hat und davon genauso begeistert war wie ich, kann ruhig auch den zweiten zur Hand nehmen, selbst wenn diesem vieles von dem, was den ersten so besonders gemacht hat, fehlt. Es bleibt zu hoffen, dass sich J. L. Bourne noch besinnt und im 3. Teil – der mit Sicherheit folgen wird – stilistisch zu den Anfängen zurückkehrt. Ich bin gespannt!

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