Dmitry Glukhovksy: Metro 2034

2009 erschien im Heyne-Verlag Dmitry Glukhovskys Nachfolgeroman des erfolgreichen postapokalyptischen Werkes Metro 2033 – einfallslos Metro 2034 genannt. Da zu erwarten war, dass das Setting ähnlich gut gemacht sein würde wie in seinem literarischen Debüt und der Autor zudem die hier besprochenen Fehler in der Handlungsführung bestimmt nicht wiederholen würde, war ich sehr auf dieses Werk gespannt.

Glukhovsky hat aus seinen Fehlern gelernt: Machte sich in Metro 2033 der Umstand unangenehm bemerkbar, dass die Schilderung einer fiktiven Welt in epischer Breite bei konsequent linearer Handlungsführung nicht befriedigend gelingen wollte, so arbeitet der Autor in diesem Buch mit mehreren Handlungsstängen, die er im Laufe der Zeit zusammenführt.  War Metro 2033 aus der alleinigen Perspektive der Hauptfigur Artjom geschrieben, so bieten sich in Metro 2034 dem Leser dementsprechend mehrere Perspektiven. Darunter sogar die einer weiblichen Hauptfigur (das Fehlen von Frauen in Metro 2033 war ja von vielen bemängelt worden).

Der Roman lebt weniger von der Handlung als von seinen Hautfiguren: Über weite Strecken wird der Roman aus der Sicht Homers erzählt, eines ehemaligen Lokführers, der beschlossen hat sich und einigen Personen durch die Erschaffung eines literarischen Mythos Unsterblichkeit zu verleihen und der an der Sewastopolskaja lebt. Er bricht mit dem schon aus dem letzten Roman bekannten Hunter als letzte Rettung der Station zur Hanse auf, da die anderen Stoßtrupps, die losgeschickt wurden, aus den Tunneln nicht mehr zurückgekehrt sind – und die Zeit drängt: Unheimliche Mutanten greifen ununterbrochen die Sewastopolskaja an. Auf ihrem Weg müssen sie nicht nur feststellen, dass die Tunnel ausgesprochen gefährlich sind, sondern dass die hermetischen Tore an der Tulskaja verschlossen sind. Es bleibt ihnen also nicht übrig, als einen anderen weg zu nehmen, der teilweise durch schon eingestürzte Tunnel und teilweise oberirdisch verläuft.

Unterwegs befreien sie das junge Mädchen Sascha, das nach dem Tode seines Vaters versucht aus dem jahrelangen Exil in einem abgeschnittenen Streckenabschnitt an der Kolomenskaja heraus wieder zurück in die Metro zu gelangen. Eine zeitlang reisen sie gemeinsam, bis sich herausstellt, dass an der Tulskaja eine verheerende Seuche ausgebrochen ist. Nun trennen sich die Wege: Hunter will zwecks Rettung der gesamten Metro versuchen zur Polis zu gelangen, um mit einer Kampfgruppe des Ordens alle an der Tulskaja (noch) lebenden Personen zu töten – Sascha hingegen möchte die Menschen durch ein Gegenmittel retten, das nach Aussagen des jungen Musikers Leonid – der Sascha natürlich nachstellt – in der sagenhaften smaragdenen Stadt existiert. Für Sascha beginnt ein Rennen gegen die Zeit – bzw. gegen den immer rücksichtloser vorgehenden und seine Menschlichkeit nach und nach verlierenden Hunter.

Auch Artjom hat einen Platz in diesem Buch gefunden, und zwar als Funker an der verseuchten Tulskaja, allerdings hat er in dieser Handlung nur eine unwichtige Nebenrolle.

Zuerst das Gute:

1. Das Buch ist mit seinen knapp 500 Seiten um einiges kürzer als sein Vorgänger.

2. Die Figuren sind liebevoller gestaltet als im letzten Roman, sie entwickeln sich tatsächlich weiter, wobei die psychischen Vorgänge ausreichend motiviert erscheinen.

Nun zum Fragwürdigen:

1. Die Charaktere erscheinen mir sehr konstruiert, darunter fällt das zentrale psychische Leiden Hunters an der Vernichtung der Schwarzen (siehe: Metro 2033) ebenso wie das Vorhaben Homers, Hunter zu folgen, um seine Geschichte literarisch verarbeiten zu können.

2. Die Handlung ist, wie auch oben deutlich geworden sein sollte, dünn.

3. Die phantasievoll gräuselig gestalteten Mutanten, die mich persönlich schon im ersten Teil etwas störten, fallen hier nun sehr unangenehm auf.

4. Das Spannung lebt über weite Strecken nur von Gewaltexessen – dieser platten Vorgehensweise bediente sich der Autor auch schon im ersten Teil – wenn auch nicht in so starkem Maße.

5. Die Tunnel beginnen mich endgültig zu nerven: Ja, in jedem Tunnel ist es gefährlich und ja, die Mutanten werden immer größer und gefährlicher.

6. Die Namen der Stationen wurden wie auch schon im ersten Teil nicht eingedeutscht. Dieses kommt dem Moskauer Lokalkolorit zugute, erschwert aber auch das Verständnis: Ohne die vom Verlag dankenswerterweise abgedruckten Karte hätte ich der Handlung so nicht folgen können.

7. Auf die amourösen Gedanken der siebzehnjährigen und in Sachen Männern (Hunter und Leonid) völlig unerfahrenen Sascha hätte ich gerne verzichtet.

Fazit:

Glukhovskys zweites Werk bleibt weit hinter dem ersten zurück. Die platte und teilweise einfallslose Handlung einschließlich der immer wiederkehrenden Gewaltexesse zeugen davon, dass man es hier mit einem weit unterdurchschnittlichen (Mach-)Werk zu tun hat. Schade eigentlich: Die postnukleare Moskauer Metro hatte mir gut gefallen, aber angesichts des hier vorliegenden Erzählstils werde auf eine weitere Lektüre von Werken aus der Feder des Autors Glukhovsky verzichten.

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