M.M.Buckner: Watermind

Tief in den durch die moderne Industrie verpesteten Wassern der Sümpfe des Mississippi entwickelt sich eine neue Lebensform – teils aus biologischen, teils aus winzigen elektronischen Komponenten. Sie wächst und hinterlässt auf ihrem Weg flussabwärts richtung Meer eine Schneise der Verwüstung – und weil sie zunehmend intelligenter und auch größer wird, macht sie den für den Sumpf verantwortlichen Großindustriellen Roman, der angesichts der immer größer werdenden Schadenssumme alles daran setzt, das „Ding“ zu stoppen, auch zunehmend Kopfzerbrechen.
Das ist ersteinmal ein kreativer Ansatz, das muss man dem Autoren lassen: Eine nicht wirklich böse, aber gefährliche wässrige W-Lan-Kreatur. Und sie kommt nicht aus dem All, sondern ist das Ergebnis des bedenkenlosen Umgangs des Menschen mit seiner Umwelt.
Das reicht dem Autoren jedoch noch nicht: Als Beinahe-Gegenspielerin Romans entwirft er die mit genialen Zügen und einem nicht ganz so hellen Liebhaber ausgestattete junge Wissenschaftlerin CG, die von wissenschaftlicher Neugier und Mutterinstinkten getrieben das Wasser-Wesen retten will. Am Ende erkennt allerdings auch sie, dass das Wesen (wenn auch nicht en gros) sterben muss.
Aber das reicht immer noch nicht: CG ist sich über ihre Empfindungen gegenüber Roman und ihrem Liebhaber Max nicht ganz sicher. Und natürlich schläft sie erst mit dem einen und dann mit dem anderen (und überraschenderweise auch mit dem Wasser-Blob).
Aber am Ende wird alles gut: CG erkennt ihren Fehler in Bezug auf die Kreatur, entscheidet sich irgendwie doch für ihren zwischendurch totgeglaubten, nun aber wiederkehrenden Liebhaber, Roman entpuppt sich letztendlich doch als durchaus mitfühlendes und liebenswertes Wesen und das „Ding“ wird durch EMPs in einem letzten großen Showdown geröstet.

Der Grundgedanke des Aufbaus, die Spannung über eine immer weiter wachsende und immer bedrohlicher werdende Kreatur und die von der Hauptfigur CG zu treffenden Entscheidungen sowie ihren sich zuspitzenden Konflikt mit Roman zu steigern, scheint durchaus sinnvoll. Der Autor ist zudem sichtlich bemüht, den Figuren Tiefe zu geben – sie wirken nicht wie Stereotypen. Aber trotzdem misslingt der Versuch: Die etappenreiche Verfolgungsjagd mit sich wiederholenden Mustern auf dem Old Men River ist ermüdend. Die psychologische Motivation Romans und CGs in Bezug zu ihren Handlungen wirkt konstruiert. Der lange Showdown – der nichts wirklich Neues mehr bringt – rettet das Buch nicht. Er verstärkt vielmehr die Langeweile, die irgendwo in der Mitte des 463-Seiten-Romans aufkommt.

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